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Alles versuchen, das Gesetz zu verhindern - Interview mit Sônia Guajajara

Die brasilianische Regierung plant eine Verfassungsänderung, die die Rechte von indigenen Völkern massiv beschneiden würde. Sônia Guajajara ist eine der wichtigsten Sprecherinnen der Indigenen Brasiliens. Im Interview spricht sie über die bedrohlichen Folgen der Gesetzesentwurfs.

Podiumsdiskussion Viva Amazonia © David Biene / WWF
Podiumsdiskussion zu Viva Amazonia -WWF © www.david-biene.de

Sônia Guajajara, der WWF kämpft mit den Indigenen gegen Gesetzesnovellen in Brasilien, die Schutzgebiete und indigene Territorien gefährden. Was würden die Gesetzesnovellen für die Indigenen ändern?

Die Regierung wird uns nicht mehr schützen können. Es werden auf keinen Fall mehr neue Territorien für uns Indigene ausgewiesen – obwohl uns Länder zustehen. Im Gegenteil: Es drohen Reduzierungen, unsere Gebiete werden kleiner. Und dabei geht es nicht nur um den Amazonas: Im Amazonas machen die Schutzgebiete für Indigene immerhin 13 Prozent des Staatsgebietes aus. Außerhalb des Amazonas, zum Beispiel im Pantanal, gibt es sehr viel weniger.

Sônia Guajajara © David Biene / WWF
Podiumsdiskussion zu Viva Amazonia -WWF © www.david-biene.de

Es gibt seit Jahren ein hin und her um Gesetzesvorhaben wie das PEC 215 und das Bergbaugesetz. Immer wieder werden Abstimmungen abgesetzt, immer wieder gelingt es diese zu verhindern. Sind sie noch zu stoppen?

Dazu bedarf es wohl einer Sintflut durch die Ahnen, also wir brauchen die Hilfe höherer Kräfte. Klar ist: Wenn es zur Abstimmung im Plenum des Unterhauses in Brasilia kommt, werden die Interessen von uns Indigenen massakriert.  Wir werden alles versuchen, das zu verhindern.  Wir werden die Abstimmung stören, Widerstand leisten, die Geister anrufen, eben alles was nötig ist.

Die Lage in Brasilien ist nicht ganz leicht zu durchschauen. Präsidentin Dilma galt einst als Hoffnungsträgerin…

Dilma hat sich mehrfach gegen PEC ausgesprochen. Aber jetzt können wir nicht mehr auf sie zählen, sie hat de facto keinen Einfluss mehr. Das ist längst eine Sache der mächtigen Lobbyisten von Landwirtschaft, Energie und Bergbau.

Was können wir tun?

Wir brauchen dringend jede Unterstützung, die uns hilft, unsere Rechte durchzusetzen. Die Öffentlichkeit ist ein gutes Druckmittel. Die deutsche Bundesregierung kann Druck machen und Briefe an die brasilianische Regierung schreiben. Das alles könnte helfen.

Wie ist die Lage Ihres Volkes, der Guajajara?

Es ist bei uns wie bei anderen indigenen Völkern auch: Unsere Landrechte stehen nur auf dem Papier und stoppen oft nicht den illegalen Holzeinschlag. Die Mordraten sind enorm: Wenn wir uns gegen illegale Machenschaften in unseren Gebieten wehren, werden unsere Anführer ermordet. Im Moment ist für uns Gujarara das größte Problem das Feuer, das durch die massiven Abholzungen ausgebrochen ist: Seit einem Monat brennt es nun schon auf unserem Gebiet, auf 100 Kilometern Länge. Es gibt hier auch noch ein anderes Volk mit 60 Mitgliedern, die bisher keinen Kontakt zur sogenannten Zivilisation hatten. Diese Menschen mussten vor den Flammen fliehen und ihre Heimat verlassen. 

Was gibt Ihnen Hoffnung für den Kampf?

Die Kraft des Volkes, die Kraft der Jugend. Wir müssen kämpfen und wir werden kämpfen. Es steht wirklich alles auf dem Spiel – das beginnen Viele jetzt zu verstehen. 

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