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Amur-Tiger: Naturschutzerfolge in Gefahr

18. März 2010

Tiger-Konferenz in Wladiwostok: Bestandstrend ist rückläufig / WWF: Fehlende staatliche Kontrolle bedroht Tiger

 

Frankfurt - Auf der Nationalen Tiger-Schutzkonferenz Russlands in Wladiwostok wurden neue Schätzungen bekannt, wonach ein rückläufiger Bestandstrend beim Amur-Tiger befürchtet wird. Nach Hochrechnungen der Umweltschutzorganisation WWF könnte die Population um bis zu 15 Prozent zurückgegangen sein. Der WWF macht wegen eines harten Winters auch das mangelhafte Forst- und Jagdmanagement der russischen Behörden für diese Entwicklung verantwortlich. „Durch eine engagierte Naturschutzarbeit konnte die Population von wenigen Dutzend auf inzwischen wieder rund 450 Exemplare anwachsen. Doch dieser einmalige Erfolg ist jetzt bedroht“, warnt Frank Mörschel vom WWF Deutschland auf der Konferenz.  

 

Der WWF begrüßt zwar die Absichtserklärung, die Zahl der Tiger in Russlands Wäldern mittel- bis langfristig auf 700 Tiere zu erhöhen, doch diesen Worten müssten jetzt dringend Taten folgen. „Die Erfolgsstory des Amur-Tigers in Russland wird nur dann weitergehen, wenn die Wilderei scharf bekämpft und eingedämmt wird“, sagt Frank Mörschel. Außerdem müsse die Dichte an Beutetiere – wie Wildschwein, Rotwild oder Sikahirsch – erhöht werden, um den Großkatzen eine ausreichende Nahrungsgrundlage zu verschaffen. Auch gelte es, die massive, illegale Abholzung von wertvollem Mischwald mit alten Eichen und Koreanischen Kiefern zu stoppen. Doch durch zahlreiche Reformvorhaben seien die zuständigen russischen Forst- und Jagdbehörden derzeit wie gelähmt. „Die Zahl der Förster und Wildhüter hat sich in den letzten Jahren massiv verringert und ihre Befugnis sind zu beschränkt“, warnt WWF-Experte Mörschel. Die ungenügenden staatlichen Kontrollen würden dem illegalen Holzeinschlag und der Wilderei Vorschub leisten.  

 

Der WWF begrüßt, dass mit dem Abschluss der russischen Tiger-Konferenz ein Prozess in Gang gesetzt wurde, an dessen Ende eine Nationale Tigerschutz-Strategie stehen soll, die vom Umweltministerium in Moskau abgesegnet und mit umfangreichen finanziellen Mitteln ausgestattet wird. Zugleich sei ein Moratorium gegen den Holzeinschlag der Koreanischen Kiefer notwendig. Außerdem hofft der WWF auf weitere Schutzeffekte, wenn die Region um den Fluss Bikin womöglich in diesem Jahr zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt wird. „Das Gebiet ist Russlands letzte, unberührte Wildnis. Hier streifen noch zahlreiche Amur-Tiger umher“, schwärmt Mörschel.

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