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Apotheke Natur bald geschlossen?

05. April 2007

WWF: Neuer Standard weist den Weg in eine nachhaltige Wildsammlung bei Heil- und Aromapflanzen

 

Frankfurt - Arnika bei äußeren Verletzungen, Hoodia als Appetitzügler und die afrikanische Teufelskralle in der Rheuma-Therapie – immer mehr Menschen greifen bei Problemen mit ihrer Gesundheit auf Mittel aus der Apotheke Natur zurück: Bis zu 70.000 Pflanzenarten weltweit werden schätzungsweise in traditioneller und moderner Medizin genutzt. Der Großteil davon wird jedoch nicht angebaut, sondern wild gesammelt und das häufig ohne Rücksicht auf den langfristigen Erhalt der Bestände. „Wenn wir die Natur weiter so schonungslos plündern, werden manche Heilmittel bald nicht mehr zur Verfügung stehen“, warnt Susanne Honnef, Heilpflanzenexpertin beim WWF. Das Bundesamt für Naturschutz BfN, die Weltnaturschutzunion IUCN, die Umweltstiftung WWF und das Artenschutzprogramm TRAFFIC entwickelten deshalb einen internationalen Standard, der erstmals Kriterien für eine nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen anbietet.

 

In den „Internationalen Standard für Nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen“ (ISSC-MAP) sind unter anderem bestehende Prinzipien und Richtlinien für nachhaltige Waldnutzung, biologischen Anbau, fairen Handel und Produktqualität eingeflossen. Im Zentrum steht die ökologische Nachhaltigkeit der Sammlung, die in existierenden Standards zumeist nur eine Nebenrolle spielt. Erfasst werden sollen unter anderem der Schutzstatus der Pflanze, ihr Bestand sowie mögliche Bedrohungsfaktoren. Bei der Festlegung der Erntemethode und -menge sind vor allem die biologischen Eigenschaften der Pflanze wichtig. „Statt der gesamten Wurzel nur die seitlichen Wurzelknollen ernten, statt der ganzen Pflanze nur zwei Drittel der Triebe ernten – oft sind es, wie hier für die Afrikanische Teufelskralle bzw. die Echte Bärentraube beschrieben, einfache Dinge in der Ernte, die die Pflanzenbestände erhalten und dennoch gleichzeitig ihre Nutzung ermöglichen“, erklärt Susanne Honnef. In den nächsten beiden Jahren soll der Standard in zehn Projekten weltweit umgesetzt und optimiert werden.

 

Über 400.000 Tonnen Heilpflanzen-Rohware gelangen jährlich in den internationalen Handel. Rund achtzig Prozent der gehandelten Arten werden wild in der Natur gesammelt. Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 45.000 Tonnen Heilpflanzen ist Deutschland im europäischen Vergleich Spitzenreiter. Die Bewahrung der Vielfalt von Heil- und Aromapflanzen hat neben der ökologischen auch eine starke soziale Komponente. In den ärmeren, ländlichen Regionen vieler Länder sind Heilpflanzen die Basis für die Gesundheitsversorgung und ihre Sammlung und Verkauf bieten vielen Familien ein bedeutendes zusätzliches Einkommen.

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