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Auch Bio-Benzin braucht Qualität

12. April 2007

WWF hat Empfehlungen für Standards der Biokraftstoffherstellung erarbeitet

 

Berlin - Die Nachfrage von Biokraftstoff und Biomasse-Energie ist in den letzten Monaten explodiert. Der Anbau von Energiepflanzen führt weltweit zur Rodung von Regenwald, Ausweitung von Monokulturen und Verteuerung von Nahrungsmitteln. Der WWF fordert dringend die Einführung von Standards für die Produktion von Biomasse, um Biodiversität zu schützen und soziale Verträglichkeit zu sichern.  

 

Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland das Biokraftstoffquotengesetz. Es regelt die Beimischung von Kraftstoff aus nachwachsenden Rohstoffen zum herkömmlichen Diesel oder Benzin. Bislang waren jedoch keine ökologischen und sozialen Kriterien zur Herstellung von Biokraftstoffen festgeschrieben. Das soll nun eine entsprechende Verordnung ergänzen. Dazu hat der WWF Empfehlungen für die Bundesregierung erarbeitet. „Ohne Qualitätsstandards können auch Biokraftstoffe große Umweltschäden verursachen“ mahnt Imke Lübbeke, WWF-Expertin für Bioenergie.  

 

In die Verordnung zum Biokraftstoffquotengesetz sollen nach dem Vorschlag des WWF Nachhaltigkeitskriterien verankert werden, die den ökologischen und sozialen Schaden begrenzen. Da Palm-, Raps- und Sojaöl sowohl für die Herstellung von Biokraftstoffen, als auch für Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden können, sollte die Regelung auch Grundlage allgemeiner deutscher Bioenergiepolitik werden – etwa dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und dem zukünftigen Erneuerbaren-Energien-Wärmegesetz (EWG).  

 

Mit der verstärkten Nutzung von Biomasse nimmt auch der Druck auf die Nachfrage von Ackerflächen zu. Die Produktion von Biomasse muss daher ausschließlich auf Acker- oder Brachflächen stattfinden, deren Nutzung weder ökologisch noch sozial bedenklich ist, und besonders den Anbau von Grundnahrungsmitteln nicht gefährdet. Daher soll die Bundesregierung nur Importe aus Ländern zulassen, die eine funktionierende Landnutzungspolitik oder andere Kontrollmechanismen vorweisen können.  

 

Auch konkrete Bewirtschaftungs- und Erntepraktiken, sowie der Einsatz von Düngern und Pestiziden sollen in gesetzlichen Anforderungen und freiwilligen Zertifizierungssystemen geregelt sein, die noch nachgebessert werden müssen. Lediglich diese geprüften Produkte würden für den Import in Deutschland zugelassen.  

 

Nicht zuletzt werden Biokraftstoffe eingesetzt, um den klimaschädlichen Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Doch nicht alle Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen weisen eine gute Klimabilanz auf. Der WWF spricht sich für eine Anrechnung von Biokraftstoffen entsprechend ihrem Reduktionspotential bei klimaschädlichen Gasen aus.  

 

„Ganz Europa wartet gespannt auf die deutsche Lösung der gesetzlichen Nachhaltigkeitskriterien. Wir müssen jetzt Weichen stellen, damit die energetische Nutzung von Biomasse tatsächlich auch umweltverträglich ist.“ resümiert Imke Lübbeke.

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