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Behörden schlampen bei Umweltausgleich

19. November 2008

WWF-Erhebung: Schäden der Elbvertiefung von 1999 bis heute nicht kompensiert

 

Der WWF wirft den Hamburger Behörden Schlamperei bei der Sanierung der Elbe vor. Eine neue Erhebung der Umweltstiftung zeigt, dass die massiven Schäden der letzten Elbvertiefung zwischen Nordsee und Hamburg bis heute noch nicht kompensiert wurden. „Das gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsprogramm ist ein Desaster. Während mit Nachdruck die nächste Vertiefung vorangetrieben wird, sind die Hausaufgaben des letzten Eingriffs noch lange nicht erledigt“, bilanziert WWF-Expertin Beatrice Claus. Als Folge des Eingriffs von 1999 verschlechterte sich der Sauerstoffhaushalt des Flusses und wichtige Flachwasserzonen – wertvolle Lebensräume für Fische – gingen verloren. Auch die Verschlickung der Nebenarme haben die Behörden nicht in den Griff bekommen.

 

Nach einer im April 2007 veröffentlichten WWF-Studie waren bis dahin lediglich zwei von zehn Ausgleichsmaßnahmen umgesetzt worden. Die neue Erhebung zeigt, dass derzeit acht Projekte realisiert sind. Erst 2009 soll das Programm abgeschlossen werden. Nach Ansicht des WWF eine skandalöse Bilanz. „Fischen und anderen Arten wurde 1999 der Lebensraum entzogen. Da hätte sofort ausgeglichen werden müssen, nicht erst zehn Jahre später. Wenn man ein Haus abreißt, lässt man die Bewohner doch auch nicht ein Jahrzehnt auf der Straße sitzen, bis sie ein neues bekommen“, so Claus.

 

Das Problem sei aber nicht nur die schleppende Umsetzung, so der WWF. Es seien schlicht die falschen Maßnahmen ergriffen worden. „Der Sauerstoffmangel in der Elbe lässt sich nicht mit der Renaturierung eines entfernten Hochmoores verbessern“, so Claus. Selbst bei einer vorbildlichen Umsetzung der Projekte hätten die schlimmsten Umweltschäden nicht ausgeglichen werden können, weil lediglich drei von zehn Maßnahmen unmittelbar die Schäden der letzten Elbvertiefung kompensieren.

 

Der WWF fordert, auf eine weiteren Ausbau zu verzichten. Am Donnerstag endet die Einwendungsfrist für das laufende Planverfahren. Die Umweltstiftung fordert ein nationales Hafenkonzept und eine enge Kooperation der Nordseehäfen Hamburg, Wilhelmshaven und Bremerhaven. „Wir brauchen eine Strategie, um die Flüsse zu sanieren, die Häfen zu fördern und die Arbeitsplätze zu sichern“, so Claus. „Alles drei ist möglich, wenn die Bundesländer ihre Egoismen aufgeben und zusammenarbeiten.“ Ein Tiefwasserhafen für die größten Containerschiffe der Welt ist genug, argumentiert der WWF.

 

Die Unterelbe genießt als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) zudem einen besonderen Schutzstatus, so der WWF. „Bund und Länder haben aus Brüssel den klaren Auftrag bekommen, die ökologische Situation der Elbmündung zu verbessern. Stattdessen planen sie eine weitere Zerstörung. Die neuen Pläne verstoßen deshalb gegen EU-Recht“, erläutert Claus.

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