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Bergbehörde stellt Ölförderung über Schutz des Nationalparks Wattenmeer

02. November 2011

WWF und Schutzstation Wattenmeer kritisieren Planfeststellungsbeschluss zur Mittelplate

 

Hamburg - Das „Bergamt“ in Clausthal-Zellerfeld hat Ende Oktober 2011 nachträglich umfangreiche Baumaßnahmen an der im Nationalpark Wattenmeer gelegenen Ölbohrinsel „Mittelplate A“ in einem Planfeststellungsbeschluss genehmigt. Der Betreiber, Energieriese RWE Dea, hatte seine Plattform mit einem so genannten Kolkschutz versehen, da ihre Standfestigkeit durch den wandernden Priel „Trischenflinge“ bedroht wird.

 

„Es ist nicht hinnehmbar, dass der Ölkonzern RWE Dea über Jahre geschützte Wattflächen in der Größe von zwei Fußballfeldern überbaut, ohne dass dieses durch einen gültigen Rahmenbetriebsplan abgedeckt ist“, sagt Silvia Gaus, Naturschutzexpertin der Schutzstation Wattenmeer. Weiterhin kritisiert sie, dass durch die Entscheidung des Amtes der Ölförderung Vorrang vor dem Erhalt des Nationalparks Wattenmeer eingeräumt werde.

 

„Für uns besteht ein zwingendes öffentliches Interesse in der Beendigung der Ölförderung im Wattenmeer. Die Ausbeutung von Rohstoffen ausgerechnet in einem Schutzgebiet von Weltrang ist völlig fehl am Platz“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros zum Beschluss der Bergbehörde. Das Beispiel zeige, dass die Öl-Insel im sich ständig verändernden Wattenmeer nicht sicher betrieben werden könne. Sie müsse deshalb stillgelegt und nicht immer weiter ausgebaut werden.

 

Das von der Bergbehörde nun abgeschlossene Planfeststellungsverfahren wird in Deutschland für bestimmte Bauvorhaben angewandt und soll betroffenen Bürgern und anerkannten Naturschutzverbänden die Möglichkeit zur Beteiligung geben. Doch der Beginn des Verfahrens war von RWE Dea jahrelang verschleppt worden, denn spätestens 2003 war der Firma schon bekannt, dass ein Priel gefährlich nah an die Öl-Insel heran wandert. Viel später, im Juni 2009, stellte REW Dea beim Landesbergamt den Antrag auf Zulassung eines veränderten Rahmenbetriebsplans, der dann das Planfeststellungsverfahren auslöste. Erst im August 2010 konnten Schutzstation Wattenmeer und WWF ihre Einwände dagegen vortragen. Die meisten Baumaßnahmen wie Spundwände oder Schüttungen mit Eisensilikatsteinen waren da jedoch schon durchgeführt und so Sachzwänge geschaffen worden.  

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