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BP-Beschwerde ist Gipfel der Heuchelei

18. Februar 2011

 

Frankfurt - Die Umweltschutzorganisation WWF bezeichnete es als „Gipfel der Heuchelei“, wenn der Ölkonzern BP sich jetzt über zu hohe Ausgaben als Folge der Ölpest beschwert. „Die Langzeitfolgen einer Ölpest für Mensch und Natur sind gut erforscht und mit belastbarem Datenmaterial überprüfbar“, erklärt WWF-Experte Stephan Lutter. Gerade Rohöl enthalte sehr viele Schadstoffe, die nicht abgebaut werden könnten. Küstengebiete wie Salzwiesen oder Mangroven benötigten Jahrzehnte um sich einigermaßen zu erholen. „Es ist notwendig, Natur und Menschen vor Ort mit allen erdenklichen Maßnahmen dabei zu helfen, die Folgen der Katastrophe zu kompensieren“, fordert Lutter. Dass der Konzern dazu die Mittel habe, ließe sich auch an den Zahlen für das letzte Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahrs ablesen. Schon im dritten Quartal hatte BP ein kleines Plus gemacht. Und zwischen Oktober und Dezember verbuchte der Konzern gar einen erneuten Reingewinn von 4,61 Milliarden Dollar. BP argumentiert, es gebe keine glaubwürdigen Argumente dafür, einen künstlich hohen Faktor für künftige Verluste anzusetzen. Selbst wenn oberflächlich die Natur wieder gesund erscheine, sei dem nicht so, warnt dagegen der WWF. Das wisse man auch aufgrund von vorangegangenen Öl-Unfällen.  

 

So lagerten sich etwa nach der Havarie der „Prestige“ bis zum Januar 2003 mehr als 500 Tonnen Schweröl vor der Küste Galiciens am Meeresgrund ab, schätzt das Spanische Institut für Ozeanographie in La Coruña. An einigen Stellen fanden die Forscher bis zu 600 Kilogramm Öl pro Quadratkilometer. Bei jeder dritten Probe holten sie eine Asphaltähnliche Masse vom Meeresboden. Dieser Asphalt ist besonders gefährlich, weil Sedimente ihn mit der Zeit von der Sauerstoffzufuhr aus dem Wasser abschneiden. Daher wird das  besonders langsam abgebaut. Nach einem Ölunfall an der Küste des US-Bundesstaates Massachusetts hat es 35 Jahre gedauert, bis der Asphalt vom Meeresboden wieder verschwunden war. In der Zwischenzeit aber werden aus dem Asphalt polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) frei, die von Kleinstlebewesen aufgenommen werden. Die werden wiederum von Muscheln und Fischlarven gefressen. Mit der Zeit reichern sich so die extrem giftigen und zum Teil krebserregenden PAKs in der Nahrungskette an. Über gefangene Fische und andere Meerestiere landen diese giftigen Stoffe dann letztendlich auf den Tellern der Menschen. Solche Asphaltschichten dürften sich auch am Grund des Golf von Mexiko ablagern.

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