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Brasilien lässt beim Amazonasschutz nach

05. Juni 2009

Nichtregierungsorganisationen fordern Präsident da Silva dringend zur Kehrtwende auf

 

Brasilia – In einem offenen Brief haben der WWF und 33 weitere Organisationen die brasilianische Regierung zur Einrichtung neuer Regenwaldschutzgebiete aufgefordert. Vor allem die indigene Bevölkerung des Amazonasgebietes sieht sich und ihren Lebensraum massiv von illegalem Holzhandel und Wilderei bedroht. Bereits vor zwei Jahren hatte sie die brasilianische Regierung in einem Antrag dringend um Schutzmaßnahmen gebeten. Weil sich seitdem nichts getan hatte, kritisieren die Nichtregierungsorganisationen die Tatenlosigkeit Präsident Lula da Silvas und seiner Regierung. Sie solle endlich Reservate schaffen, in denen sowohl die Natur als auch die Rechte der traditionellen Bevölkerung geschützt werden.  

 

„Die indigene Bevölkerung ist permanent bedroht, da sie sich gegen die Plünderung ihres natürlichen Lebensraumes wehrt“, heißt es in dem Schreiben an Präsident da Silva. „In manchen Fällen wurde sie sogar von ihrem eigenen Land vertrieben“. Rund 750 Familien leben in den drei Gebieten Baixo Rio Branco-Jauaperi, Renascer und Montanha Mangabal. Sie nutzen dort die natürlichen Rohstoffe nachhaltig ohne die Natur zu zerstören. So fangen sie beispielsweise Fische und sammeln Paranüsse. Doch durch kommerzielle Interessen, ob illegal oder legal, ist ihr Lebensraum zunehmend bedroht. Deshalb bemühen sie sich schon seit Anfang des Jahres 2000 um Schutz der Regierung.  

 

Die brasilianische Regierung ist in letzter Zeit durch eine Reihe von Beschlüssen negativ aufgefallen, welche den Regenwald stark bedrohen. „Wir finden es furchterregend, dass die Regierung von Präsident Lula da Silva gegen Ende der Amtsperiode eine Position angenommen hat, die im krassen Gegensatz zum Naturschutz steht“, so der WWF-Waldexperte Markus Radday. Jüngst hatte es Beschlüsse gegeben, die waldzerstörende Landwirtschaftsprojekte zulassen und die den Straßenbau sowie Entwaldung erheblich erleichtern. „Die Verzögerungstaktik hinsichtlich der Bildung neuer Schutzgebiete ist bedauerlich. Sie spiegelt die Einstellung einiger Regierungsvertreter wider, nach der die Schaffung von Schutzgebieten verhindern werden soll, sobald die geringste Gefahr besteht, dass sie den Rohstoffabbau behindern kann“, heißt es weiter in dem Brief.  

 

Studien zufolge sind diese drei Regionen außerordentlich wichtig für das Weltklima und den Erhalt der Artenvielfalt. In dem fast 580.000 Hektar großen Gebiet Baixo Rio Branco-Jauaperi leben allein 42 Säugetierarten wie der gefleckte Jaguar, der Puma oder der Riesenotter. Die Region Renascer hat mit ihrem Flusssystem ebenfalls eine wichtige ökologische Funktion.

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