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Chemie macht Eisbären und Wale krank

14. Juni 2006

WWF-Studie: Umweltgifte schädigen die Tierwelt der Arktis

 

Hamburg, 14.06.2006: Chemikalien führen offensichtlich zu massiven Gesundheitsschäden in der arktischen Tierwelt. Eine neue WWF-Studie zeigt, dass Eisbären, Belugawale, Robben, Seevögel und weitere Arten betroffen sind. Zwar gebe es noch keine endgültigen Beweise für den Zusammenhang zwischen Umweltgiften auf der einen und hormonellen Störungen, Schwächungen des Immunsystems oder Verhaltensänderungen der Tiere auf der anderen Seite. Wissenschaftliche Untersuchungen legen diesen Schluss aber nah. 'Wenn Politik und Industrie erst reagieren, bis alle Zusammenhänge restlos erforscht sind, könnte es für viele Arten zu spät sein', so WWF-Expertin Karoline Schacht. 'Wir brauchen ein klares Vorsorgeprinzip. Der Schutz von Mensch und Natur muss Vorrang haben. Davon wird auch die Chemieindustrie profitieren.'

 

 

 

Die Umweltgifte gelangen durch die Luft und durch Flüsse und Meere aus industrialisierten Regionen wie Europa in die Arktis. Der WWF fordert deshalb von der EU eine Stärkung der Chemikalienverordnung (REACH), mit der die Verbreitung von Umweltgiften eingedämmt werden soll. Die seit Jahren andauernden Verhandlungen gehen in der kommenden Woche mit einer Sitzung des Umweltausschuss des EU-Parlamentes in die entscheidende Phase. 'Nur mit deutlichen Nachbesserungen am bisherigen Entwurf der Chemikalienverordnung kann die EU ihren Anteil dazu beitragen, die Vergiftung unseres Planeten zu stoppen. Es muss sichergestellt werden, dass gefährliche Substanzen frühzeitig erkannt und ersetzt werden', betont WWF-Sprecherin Schacht.

 

 

 

Eisbären und Belugawale sind laut der WWF-Studie stark mit bereits verbotenen Umweltgiften wie polychlorierten Biphenylen (PCB) oder Pestiziden belastet. Hinzu kommen neuere, noch zulässige Substanzen. Dazu zählen bromierte Flammschutzmittel, die beispielsweise in Elektrogeräten und Teppichen vorkommen. Im Blut der Tiere finden sich auch Perfluorverbindungen‚ die in Anti-Haft-Beschichtungen von Pfannen stecken oder in der Schmutz abweisenden Behandlung von Textilien benutzt werden. Wissenschaftler vermuten, dass die Gifte beim Eisbären hormonelle Störungen und eine Schwächung des Immunsystems verursachen. Bei Seehunden führt die Belastung mit Flammschutzmitteln (PBDEs) offenbar zu Veränderungen des Blutbildes. Unter den Seevögeln sind die Eismöwen besonders stark betroffen. Hohe Konzentrationen von PCB und chlororganischen Verbindungen werden bei ihnen mit Hormonstörungen und Problemen bei der Reproduktion in Verbindung gebracht. Die Folgen: nicht-lebensfähige Eier, weniger Brutpflege, weniger kräftige Jungvögel und asymmetrische Flügel.

 

 

 

Eisbär, Wal und Robbe leiden aber nicht nur unter Umweltgiften. Auch der Klimawandel, schlechtere Nahrungsbedingungen und Lebensraumverlust machen der arktischen Tierwelt zu schaffen. Die zahlreichen Belastungen gefährden auf Dauer das Überleben vieler Tierarten, so der WWF.

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