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Das Für und Wider des Palmöls

23. April 2007

WWF-Studie zur Ökobilanz eines stark nachgefragten Energieträgers

 

Frankfurt - Die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen gilt als besonders umweltfreundlich und Klima schonend. Auch Palmöl erlebt derzeit einen Boom als Energieträger, mit dem europäische Kraftwerke Strom und Wärme erzeugen. Nach Einschätzung des WWF fällt die Energiebilanz beim Anbau von Ölpalmen insgesamt positiv aus – vorausgesetzt, dass die Plantagen ausschließlich auf bereits gerodeten und bislang ungenutzten Brachflächen angelegt werden, für die kein wertvoller Regenwald weichen muss. Dies ist das Ergebnis der heute vorgelegten WWF-Studie „Regenwald für Biodiesel?“, die erstmals eine Berechnung der Ökobilanz des umstrittenen Rohstoffs vorlegt.  

 

„Leider ist Palmöl nicht von Natur aus ein umweltfreundlicher Rohstoff und Energieträger. Der Einsatz von Palmöl kann gut oder schlecht sein für die Umwelt – je nachdem, wie die Anbauflächen für Palmöl vorher genutzt wurden und wie sie bewirtschaftet werden“, erläutert Imke Lübbeke, WWF-Expertin für Bioenergie. Zudem müsse einkalkuliert werden, dass beim Anbau und Transport von Palmöl nicht mehr Treibhausgase erzeugt werden, als man gegenüber der Verfeuerung von fossilen Brennstoffen einspart. Negativ falle die Treibhausgasbilanz zum Beispiel dann aus, wenn die Ölpalmen, wie in weiten Teilen Südostasiens üblich, auf der Fläche einstiger Torfwälder angebaut werden.  

 

Erste Schätzungen belegen, dass es in Indonesien ausreichend geeignete Brachflächen gibt, um den größten Teil des in den nächsten Jahren weiter ansteigenden Palmölbedarfs zu decken - schätzungsweise rund 20 Millionen Hektar. WWF-Waldexperte Markus Radday rät: „Die Nutzungsmöglichkeiten von Brachflächen müssen dringend geprüft werden, bevor weitere Regenwälder zerstört werden“.  

 

Der WWF befürwortet den Einsatz von Palmöl für die Strom- und Wärmeerzeugung, wenn die Plantage den Kriterien des „Roundtable on Sustainable Palmoil“ entspricht, der 2003 unter Mitarbeit des WWF gegründet worden war. Bislang sei zwar noch kein zertifiziertes Palmöl erhältlich, doch mit der Markteinführung unbedenklicher Produkte rechnen die Umweltschützer noch in diesem Sommer.

 

„Dass Palmöl als Bioenergieträger und in der Nahrungsmittel- und Konsumgüterindustrie eine immer größere Rolle spielen wird, ist nach Prognosen verschiedener Institutionen unstrittig“, so Imke Lübbeke. Sie fordert: „Wer diesen Rohstoff langfristig und nachhaltig nutzen möchte, muss jetzt in Deutschland und Europa per Gesetz die Weichen dafür stellen. Freiwillige Vereinbarungen alleine reichen nicht aus, sondern wir brauchen verbindliche Nachhaltigkeitskriterien für den Einsatz von Palmöl, die zum Beispiel auch die Reduktion von Treibhausgasen regeln.“

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