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Das geheimnisvolle Saola

01. Februar 2008

16 Jahre nach seiner Entdeckung gibt ein Säugetier Forschern Rätsel auf und erhält ein großes Schutzgebiet

 

Ein Säugetier von der Größe eines Rehs entdecken Forscher nicht alle Tage. Und so war es eine wissenschaftliche Sensation, als 1992 ein Team um den WWF mitten in Vietnam auf ein bis dato unbekanntes Waldtier stieß. 16 Jahre später ist kaum etwas über das Saola (Pseudoryx nghetinhensis) bekannt. Nur wenige Menschen haben es lebend gesehen, gerade einmal elf sind Wissenschaftlern über den Weg gelaufen, und es existiert nur eine Handvoll Fotos. Während im Streit darüber, ob das Saola systematisch zu den Ziegen, Rindern oder Antilopen zu zählen sei, derzeit die Rinder-Befürworter die Nase vorn haben, ist das Überleben der Art mit den langen Hörnern alles andere als gesichert: Denn die scheuen Saolas sind stark bedroht. Höchstens 250 erwachsene Tiere sind den Fallen der Jäger bislang entkommen. Für sie werden nun Schutzgebiete eingerichtet. WWF-Experte Stefan Ziegler: „Die vietnamesischen Provinzregierungen strengen sich wirklich an, das Saola zu retten – so viel Einsatz erleben wir nicht alle Tage.“

 

In den Provinzen Thua Thien Hue und Quang Nam wurden vor kurzem zwei aneinander anschließende Reservate beschlossen. Entstanden ist so ein fast 3.000 Quadratkilometer großes Schutzgebiet, das von der vietnamesischen Küste bis zur laotischen Grenze reicht. „Davon profitiert nicht nur das Saola“, freut sich WWF-Experte Ziegler. Denn in der Heimat des Saola, den gebirgigen Annamiten im Herzen Vietnams und Laos, leben auch andere seltene Arten wie Rotschenkel-Kleideraffe und Weißwangen-Schopfgibbon.  

 

Allerdings ist die größte Gefahr für das Saola noch nicht gebannt. „Wir müssen vor allem die Jagd und den illegalen Handel mit Buschfleisch beenden, sonst nützt das beste Reservat nichts“, sagt der WWF-Experte. Buschfleisch ist vor allem bei Städtern begehrt, die es als Delikatesse betrachten, wie eine jüngst veröffentlichte Studie von TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm vom WWF und der Weltnaturschutzunion (IUCN), zeigt. Für die Menschen, die sich den Wald mit dem Saola teilen, bedeutet der verbotene Handel  gutes Geld. „Deshalb brauchen wir Einkommensalternativen für die Bevölkerung, sonst wird sich an der professionellen Jagd auf Saolas und andere bedrohte Arten nichts ändern“, so Ziegler.

 

Der WWF arbeitet seit 2001 in den zentralen Annamiten. In Zusammenarbeit mit Provinzbehörden und gefördert von der Weltbank, US AID und vielen anderen Organisationen bemüht sich der WWF um den Schutz der Saola-Population. Im Mittelpunkt stehen neben der Forschung die Kooperation mit der lokalen Bevölkerung und die Unterstützung von Wildhütern. Außerdem versucht der WWF, eine strengere Strafverfolgung von Wilderern sicherzustellen.

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