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Der Bär ist los!

17. Mai 2006

Im österreichischen Vorarlberg und in Tirol ist ein Braunbär aufgetaucht. WWF rechnet damit, dass er nach Deutschland kommt. Das wäre der erste 'deutsche' Bär seit 1835.

 

Frankfurt, 17. Mai 2006-In Österreich ist bereits seit einer Woche 'der Bär los'. Und bald könnte der erste Braunbär seit 1835 auch deutschen Boden betreten. Seit gestern wird ein Bär kurz vor der deutschen Grenze im Allgäu in Tirol vermutet. Er soll dort in der Ortschaft Holzgau etwa fünf Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt gesichtet worden sein. Am 10. Mai 2006 fand ein Bauer im österreichischen Vorarlberg Spuren eines Braunbären, der offensichtlich in seinen Schafstall eingebrochen war und dort zwei Tiere erbeutet hatte. Seither versuchen die Behörden mit Unterstützung des WWF, das Tier mit einem Peilsender zu versehen, um seinen Weg besser verfolgen zu können. So kann man frühzeitig erkennen, ob sich der Bär menschlichen Siedlungen nähert und kann ihn durch Warnschüsse fernhalten.

 

 

 

Nach dem Zwischenfall mit den erbeuteten Schafen hatte der WWF umgehend einen seiner 'Bären-Anwälte' vor Ort geschickt, der für ein konfliktfreies Zusammenleben mit den Menschen sorgen soll. Außerdem wird derzeit eine Genprobe analysiert, die Aufschluss über die genaue Herkunft des Tieres geben soll. Man vermutet, dass es sich um 'JJ2' handelt, einen Bären, der bereits im letzten Jahr in der Schweiz und in Tirol beobachtet worden war.

 

 

 

In Deutschland wurde der letzte Braunbär 1835 in Rupolding erlegt. Eine Rückkehr von Meister Petz hierzulande war bislang äußerst unwahrscheinlich. Auch in Österreich waren die Braunbären Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Erst 130 Jahre später kehrte ein Bär völlig unerwartet in die nördlichen Kalkalpen Österreichs zurück: Damals wanderte ein Bär aus Slowenien ein - er wurde bekannt als 'Ötscherbär', benannt nach einem nahe gelegenen Gebirgsmassiv. Dies war der Auftakt zu einem der spektakulärsten Projekte des WWF: Am 9. Juni 1989 setzten die Artenschützer des WWF die Bärin Mira aus-das Weibchen sollte sich mit dem Ötscherbären paaren. Und die beiden Tiere enttäuschten nicht. Offensichtlich war es Liebe auf den ersten Blick, denn Mira wurde bereits zwei Jahre später mit drei Jungen gesichtet. Das spornte den WWF an, zwei weitere Tiere auszusiedeln. Seither wurden etwa 27 Bärenkinder in den Alpen Österreichs geboren. Der Stammvater, der Ötscherbär, starb 1994 im gesegneten Alter von 25 Jahren. Stabil ist die Bären-Population in Österreich allerdings noch lange nicht: Nach Einschätzung des WWF muss der Bestand dazu auf mindestens 50 Tiere anwachsen. Erst dann ist der Fortbestand der Braunbären-Familien in Österreich langfristig gesichert.

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