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Der Erde keine Kahlrasur verpassen

13. September 2006

WWF fordert Schutzgebietsnetzwerk. Sonst könnten die tropischen Wälder in hundert Jahren komplett verschwunden sein.

 

Frankfurt, 13.09.2006: Wie im Zeitraffer wurden in den vergangenen Jahrzehnten riesige Tropenwaldflächen in Südostasien, Südamerika und im afrikanischen Kongo-Becken von Menschenhand vernichtet. Die jährliche Entwaldungsrate liegt seit den neunziger Jahren weltweit durchschnittlich bei knapp einem Prozent. Schreiten Rodung, illegale Holzfällerei und illegaler Holzhandel, der Umbau zu Rohstoffplantagen und Waldbrände so schnell voran wie bisher, könnten die letzten Regenwälder bis auf wenige Schutzgebietsinseln bis zum Ende dieses Jahrhunderts völlig verschwunden sein. Der WWF macht anlässlich des Tages der Tropenwälder am 14. September darauf aufmerksam, dass mit der Zerstörung der Wälder gravierende Nebenwirkungen verbunden sind: Gigantische Kohlendioxidmengen werden freigesetzt. Indigene Völker verlieren ihre Lebensgrundlage. Bedrohte Tiere wie Tiger, Waldelefanten, Orang-Utans, Faultiere und Koboldmakis könnten endgültig aussterben.

 

Nina Griesshammer, WWF-Waldexpertin: "Das Waldschutzprogramm für die Erde muss dringend weiter vorangetrieben werden. Wenn es uns gelingt, die bereits bestehenden Schutzgebiete langfristig zu finanzieren, untereinander zu vernetzen und auszuweiten, können auch unsere Kinder und Enkel noch echte Tropenwälder erleben." Noch gibt es nach Angaben der FAO 1,7 Milliarden Hektar Tropenwälder. Die größten Flächen befinden sich im Amazonas-Becken, im Kongo-Becken und in Indonesien. Doch jedes Jahr fallen den Kettensägen und den Flammen ungefähr 15 Millionen Hektar zum Opfer. Das entspricht etwa der Hälfte Deutschlands. Mit den Tropenwäldern verliert die Erde wichtige Wasser- und Luftspeicher, der Klimawandel wird weiter angeheizt, und die betroffenen Regionen werden anfälliger für Naturkatastrophen wie Dürren, Überschwemmungen und Erdrutsche.

 

Der WWF setzt sich seit langem für den Erhalt dieser einzigartigen "Schatzkammern der Natur" ein: Die Umweltschützer kämpfen in mehr als 300 Projekten in fast 90 Ländern dafür, dass Schutzgebiete geschaffen werden. Sie verhandeln mit den großen Konzernen der Zellstoff-, Papier-, Holz-, Palmöl- und Sojaindustrie. Sie fördern eine naturnahe Waldwirtschaft, die nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) oder des Roundtable on Sustainable Palm Oil richtet. Die WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer schöpft Hoffnung aus den bisherigen Erfolgen, die die Umweltorganisation zusammen mit anderen in ihrer 45-jährigen Geschichte errungen hat: "Die wertvollsten Tropenwälder können noch gerettet werden, aber dazu müssen die erforderlichen Schritte heute und nicht erst morgen eingeleitet werden." Weltweit stehen heute bereits etwa zehn Prozent aller Wälder unter Schutz - dazu zählen boreale, temperierte, tropische und subtropische Wälder.

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