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Der langsame Tod der Ems

04. Oktober 2006

BUND und WWF kritisieren neuen Emsausbau auf Kosten von Natur und Steuerzahlern

 

Hannover/Hamburg, 04.10.2006: Flussvertiefungen, Kurvenbegradigungen und ein Brückenumbau: Dies sind die jüngsten Planungen für die Unterems zwischen Papenburg und Emden. Um der Meyer-Werft die Überführung größerer Schiffe zu erleichtern, werden die Steuerzahler für diese neue Runde des Emsausbaus diesmal ca. 21 Mio. Euro aufbringen müssen.

 

Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest hat heute nach Leer eingeladen, um beteiligten Behörden und Umweltverbänden die vorgesehenen Baumaßnahmen vorzustellen und die im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlichen Untersuchungen abzustimmen. Die Umweltverbände BUND und WWF werden dabei deutlich machen, dass sie einen weiteren Ausbau der Ems entschieden ablehnen und verhindern wollen.

 

„Weniger Sauerstoff aber viel mehr Schlick - die neuen Ausbau- und Vertiefungsplanungen werden die Probleme an der Ems erneut verschärfen. Die Behörden scheinen aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt zu haben“, sagte Beatrice Claus, Naturschutz-Expertin des WWF „Bevor weitere Ausbaumaßnahmen genehmigt werden, muss zuallererst die Gewässergüte saniert werden“.

 

Ob Ausbau auf 6,30m (1991), 6,80m (1993), 7,30m (1994) oder 8,50m durch Sperrwerk mit Staufunktion (1998), alle Umweltverträglichkeitsprüfungen kamen, trotz der wiederholten Bedenken von Umweltverbänden, zum gleichen Prognoseergebnis: Keine erheblichen Umweltauswirkungen auf die Ems! „Die Realität sieht jedoch ganz anders aus: vergrößerter Tidehub, erhöhte Tidehochwasser, höhere Fließgeschwindigkeiten, starke Verschlickungen und seit Beginn der 90er Jahre regelmäßig in den Sommermonaten auftretende Sauerstoffmangelsituationen. Der Gewässergüteberichte des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie zeigt deutlich die traurige Geschichte der Unterems“, sagte Vera Konermann als Sprecherin des BUND.

 

Konnte im Jahre 1990 noch in weiten Teilen die Gewässergüteklasse II (mäßig belastet) festgestellt werden, so ging es über 1995 mit Gewässergüteklasse II-III (kritisch belastet) bis zum Jahre 2000 mit in weiten Teilen Gewässergüteklasse III-IV (sehr stark verschmutzt) stetig bergab. Dies sind inzwischen anerkannte Folgen der Ausbaggerung und des Ausbaus der Flussmündung. Die Umweltverbände BUND und WWF haben sich stets für Lösungen ausgesprochen, die die Zukunftsfähigkeit der Meyerwert sichern und gleichzeitig die Regeneration der Unterems und den Erhalt wertvoller Naturressourcen ermöglichen.

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