
- Evolution des WWF-Logos über viereinhalb Jahrzehnte. © WWF
"Ohne die Natur wird der Mensch nicht überleben"
Die Geschichte des WWF: Starke Botschaft seit mehr als 45 Jahren
Am 11. September 1961 wurde in der Schweiz der WWF gegründet. Allein bis zum 40. Geburtstag 2001 hatte die Umweltorganisation über 2,8 Milliarden Euro gesammelt und damit weltweit über 11.000 Naturschutzprojekte durchgeführt.
"Wir stehlen zwar nichts von den Reichen, aber wir machen es ihnen sehr schwer, uns nichts zu geben," scherzte der scheidende WWF-Präsident, SKH Prinz Philip, 1996 in seiner Abschiedsrede. Tatsächlich war die Stiftung "World Wildlife Fund" 1961 gegründet worden, um vor allem eines zu tun: Geld zu sammeln. Die Organisation war angetreten, "die ganz Reichen dazu zu bringen, für den Naturschutz tief in die Tasche zu greifen," so formulierte es Victor Stolan, einer der WWF-Gründerväter.
Seitdem sind über 45 Jahre vergangen. Aus einer illustren kleinen Herrenrunde wuchs die größte private Naturschutzorganisation der Welt. Zur ersten Umweltbewegung moderner Ausprägung konnte der WWF nur durch die Hilfe seiner Förderer werden: heute sind es fünf Millionen Menschen weltweit. Sie machten es möglich, dass allein im Jahr 2006 rund 374 Millionen Euro in rund 2.000 Projekte fließen konnten – zum Schutz von Wäldern, Meeren und Feuchtgebieten auf allen Kontinenten. Der WWF ist heute ein Netzwerk aus 59 nationale Sektionen, Programmbüros und Partnerorganisationen in aller Welt.
Vom Geldsammelverein zum Naturschutz-Netzwerk
Die Anfänge waren bescheidener. Trotzdem hatte der WWF von Beginn an den grenzübergreifenden Naturschutz im Sinn. Lange bevor die Globalisierung zum Modebegriff wurde, agierte er bereits als weltweites Netzwerk.
Naturschutz war für viele noch ein Fremdwort, als 1963 nach Sektionen in Großbritannien, der Schweiz und den USA der WWF Deutschland gegründet wurde. Damals traten zehn einflussreiche Herren als Mahner auf. Sie hatten am 10. Mai in einem unscheinbaren Büro des Bonner Amtsgerichts den „Verein zur Förderung des World Wildlife Fund“ gegründet – unter ihnen der spätere Ministerpräsident Dr. Gerhard Stoltenberg, Konsul E. Gerling und der Frankfurter Zoodirektor Prof. Dr. Bernhard Grzimek. Sie wollten dem Beispiel Gleichgesinnter in Großbritannien, der Schweiz, den USA und den Niederlanden folgen und auch in Deutschland Hilfe zur Bewahrung der bedrohten Natur mobilisieren. Ihre Initiative gelang schneller und besser als erwartet: Bereits im ersten Jahr sammelten sie 85.000 Mark. Mit dem Geld wurde vor allem in Notfällen Soforthilfe geleistet.
Sie flossen Anfang der sechziger Jahre in erste Landkäufe für den späteren spanischen Coto Donana-Nationalpark, in den Aufbau der Charles Darwin-Forschungsstation auf den Galapagos-Inseln und in die Ausbildung von Wildhütern in Tansania. Später kamen Projekte für die letzten Nashörner auf Java und den Schutz des Indischen Tigers hinzu.
Allmählich veränderte sich die Strategie. Man beließ es nicht beim Sammeln von Geldern, sondern führte immer mehr langfristig angelegte Projekte zum Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume durch.
Jahrzehnte bevor die Diskussion um "Sustainable development – nachhaltige Entwicklung" die Gemüter erhitzte, entdeckte der WWF die Wirtschaft als Partner. Angesichts der historischen Wurzeln ist das kein Wunder. Die honorigen Initiatoren setzten früh auf große Namen und finanzkräftige Förderer.
Begonnen hatte alles mit einer Artikelserie in der britischen Tageszeitung "The Observer". Julian Huxley, ehemaliger Generaldirektor der UNESCO, berichtete über die Naturzerstörung und den Rückgang der Wildbestände in Ostafrika. Die Berichte waren für eine Gruppe von Industriellen, Wissenschaftlern und Naturschützern um Peter Scott und Max Nicholson der Anstoß, eine neue Organisation ins Leben zu rufen.
Während die schon 1948 gegründete Weltnaturschutzunion IUCN wissenschaftliche Grundlagen für den Naturschutz liefern sollte, würde es Aufgabe der neuen Stiftung sein, die nötigen Finanzmittel für die chronisch klamme Schwesterorganisation zu beschaffen.
Kooperation statt Konfrontation
Die guten Beziehungen der Männer der ersten Stunde erleichterten den Aufstieg der neuen Organisation. Es erwies sich als Glücksgriff, dass mit SKH Prinz Bernhard der Niederlande als erstem Präsidenten des WWF International und SKH Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, an der Spitze der britischen Sektion gleich zwei international renommierte und bekannte Persönlichkeiten gewonnen werden konnten. Sie gaben der noch jungen Organisation ein Gesicht. Ihr Engagement brachte weltweite Bekanntheit und Zulauf aus breiten Schichten der Bevölkerung.
Aus heutiger Sicht war man mit dem nach wie vor gültigen Ansatz "Kooperation statt Konfrontation" seiner Zeit weit voraus. Die Strategie wurde im Geist der Gründerjahre entwickelt. Die Anti-Atombewegung war noch nicht geboren. Bürgerinitiativen beschränkten sich meist auf lokale oder regionale Schandflecke. Und Seveso und Tschernobyl schienen unrealistische Albträume.
In den sechziger Jahren waren die Grenzen des Wachstums noch nicht in Sicht. Technikeuphorie und Fortschrittsglaube schienen noch ungebrochen.
Der WWF konzentrierte sich damals auf den Schutz von Arten und die Ausweisung von Schutzgebieten. "Er kurierte mit beachtlichem Erfolg die Symptome, berührte jedoch die eigentlichen Ursachen der Naturzerstörung kaum," erinnert sich Dr. Arnd Wünschmann, der erste Geschäftsführer des WWF Deutschland.
Das änderte sich in den siebziger Jahren. An die Stelle von Feuerwehreinsätzen zur Rettung bedrohter Tierarten trat eine zielgerichtete Planung für Mensch und Natur. Das beinhaltete die Analyse der Ursachen der Naturzerstörung ebenso wie Umweltbildung und politische Lobbyarbeit – ohne die internationalen Feldprojekte aufzugeben.
Mit Verspätung – anlässlich des 25jährigen Jubiläums – kam die Neuausrichtung auch im Namen zum Ausdruck: Aus dem "World Wildlife Fund" wurde 1986 der "World Wide Fund For Nature". Nur die US-Amerikaner und die Kanadier firmieren bis heute unter dem alten Namen.
Die Erfolge wachsen – die Aufgaben auch
Die Entwicklung des WWF ist eine Erfolgsgeschichte mit vielen Kapiteln: Der Große Panda, die Sibirischen Tiger und die Java-Nashörner haben überlebt. Von den Regenwäldern der Tropen bis zum Himalaya, von den europäischen Flussauen bis Madagaskar, von der Donau bis zum Amur, vom Wattenmeer bis zur Südsee zeugen Hunderte von Projekten vom beherzten Einsatz von Wissenschaftlern und Naturschützern des WWF.
Im Zeichen des Pandas arbeiten heute etwa 4.000 Mitarbeiter rund um den Globus. Ob es um die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder nach den FSC-Kriterien, die Zusammenarbeit mit der Weltbank oder den Schuldenerlass gegen staatliche Leistungen im Naturschutz geht: Stark ist der WWF vor allem dann, wenn es um das Schmieden von Allianzen geht.
Der Einsatz hat sich gelohnt. In viereinhalb Jahrzehnten harter Arbeit kann der WWF auf über 300 geschützte Gebiete und mehr als zwei Millionen Quadratkilometer geschützter Natur verweisen. WWF-Experten und -Umweltaktivisten sitzen heute mit am Tisch, wenn über die Reduzierung der Treibhausgase, den Schutz der Meere und ihrer Ressourcen, das Washingtoner Artenschutzübereinkommen oder die Ramsar-Konvention zum Schutz von Feuchtgebieten verhandelt wird.
Die Bilanz ist beeindruckend. Doch angesichts der Herausforderungen sind die Erfolge winzig. Über sechs Milliarden Menschen bevölkern inzwischen unseren Planeten. Während sich die Bevölkerungszahl im vorigen Jahrhundert fast vervierfacht hat, ging allein in den letzten 35 Jahren – so haben es WWF-Wissenschaftler mit dem Living Planet Index ermittelt – fast ein Drittel des natürlichen Reichtums an Wäldern, Flüssen und Meeren verloren. Für immer.
Grund genug für WWF-Ehrenpräsident SKH Prinz Philip, in einem Interview zum 40. Geburtstag des WWF statt Eigenlob eher kämpferische Töne anzuschlagen: "Eine Menge Arten wurden kurz vor dem Aussterben gerettet. Aber schrecklich viele stehen nach wie vor an der Schwelle des Artentods. Inzwischen registrieren Menschen sehr bewusst, wenn bestimmte Tierarten Schaden nehmen. Doch manchmal sehen sie nicht die viel wichtigere Sache – das Erhalten der Arten als Ganzes. Und auf welche Weise diese Arten ein lebenswichtiges Mosaikteil unserer natürlichen Umwelt sind.
Egal, ob Sie an die Evolution oder an Gott glauben: Fakt ist, dass wir eine natürliche Umwelt haben, die in einer ganz besonderen Art und Weise funktioniert. Unser aller Aufgabe ist es, sie zu beschützen. Dazu haben wir keine Zeit zu verlieren. Ohne die Natur wird auch der Mensch nicht überleben."
Im Jahr 2008 beging der WWF Deutschland seinen 45. Geburtstag.

