WWF Deutschland
Von der Rettung der Nashörner zur Zukunftsvorsorge für einen lebendigen Planeten: Seit der Gründung 1961 hat der WWF seine Mission konsequent erweitert. Mit seiner Hilfe entstanden bis heute rund zehn Millionen Quadratkilometer Schutzgebiete weltweit – eine Fläche größer als Kanada oder China.
„Dem Untergang geweiht – durch Torheit, Habgier und Ignoranz der Menschen“: Mit einem noch nie dagewesenen Weckruf an die Welt meldete sich vor 50 Jahren der WWF erstmals zu Wort. In einer „Schockausgabe“ des Daily Mirror erschreckte am 9. Oktober 1961 eine kleine Gruppe einflussreicher Zeitgenossen die britische Öffentlichkeit auf gleich sieben Seiten mit aufrüttelnden Fakten. Durch unser Tun, so die Autoren, würden bald Nashörner, Antilopen oder Galapagos-Schildkröten so „tot sein wie ein Dodo“ – jener bereits 1690 von Menschen ausgerottete Riesenvogel.
Die Wirkung blieb nicht aus: Binnen einer Woche spendeten die Briten unglaubliche 60.000 Pfund (umgerechnet rund 350.000 Euro) an den WWF, der erst vier Wochen zuvor unter dem Namen „World Wildlife Fund“ als internationale „Charity“-Organisation in der Schweiz formal gegründet wurde.
Genau das hatten dessen Gründerväter – 16 Wissenschaftler, Geschäftsleute und Politiker –beabsichtigt, als sie ein halbes Jahr zuvor am 29. April ihr Manifest verfassten: Weltweit Geld zu sammeln für verfolgte und in ihrem Bestand gefährdete Kreaturen, um damit mutige Naturschützer in die „Gefahrenzonen der Erde“ zu schicken. Mehr noch: Sie wollten eine Art „Einsatzzentrale“ („war room“) einrichten, um weltweit alle Gebiete zu erfassen, in denen Natur bedroht war.

Aus der hehren Absicht wurde eine konkrete Erfolgsgeschichte: In den ersten drei Jahren sammelte der WWF weltweit fast 1,9 Millionen US-Dollar (rund 3,9 Millionen Euro) – und gab das Geld direkt an andere Organisationen weiter: An die Weltnaturschutzunion IUCN etwa, in deren Nachbarschaft in der Schweiz man die künftige weltweite Einsatzzentrale gründete. Oder an die Charles Darwin Foundation auf den Galapagos-Inseln, um die letzten einzigartigen Tierarten vor verwilderten Schweinen und Ziegen zu retten, die deren Eier auffraßen.
In den ersten Jahren wurden viele nationale Sektionen gegründet, so 1963 in Deutschland. Mit den ersten 85.000 DM leisteten Mitarbeiter vor allem Soforthilfe in Notfällen: zur Rettung nordeuropäischer Greifvögel genauso wie zum Schutz des Neusiedler Sees in Österreich oder der damals schon durch Bernhard Grzimek berühmten Serengeti in Ostafrika. Vor dem Aussterben gerettet wurden Java-Nashörner im indonesischen Schutzgebiet Udjong Kulon, Affenadler auf den Philippinen und Vicuñas in den südamerikanischen Hochanden. Aber auch Langfristiges wurde bereits mitfinanziert wie der Aufbau der Wildhüterschule Garoua in Kamerun.
Im Mündungsbereich des Guadalquivir in Andalusien verhinderte der WWF, dass die spanische Regierung das Feuchtgebiet trocken legte. Es entstand der Coto Doñana-Nationalpark als letzte Zuflucht des Iberischen Luchses und Spanischen Kaiseradlers. In Deutschland wiederum half der WWF ab 1968, die letzten Seeadler vor dem Aussterben zu bewahren.
Der WWF konzentrierte sich damals auf „Feuerwehreinsätze“ zum Schutz von Arten und die Ausweisung von Schutzgebieten. Erst in den siebziger Jahren begann eine zielgerichtete Projektplanung mit Umweltbildung und politischer Lobbyarbeit. Zum Beispiel in Indien: 1973 startete der WWF zusammen mit der dortigen Regierung unter Staatschefin Indira Gandhi das erste große Tigerschutzprojekt mit einem sechs Jahre dauernden Schutzprogramm und der Einrichtung von neun Tigerschutzgebieten.
Teil 2: Naturschutz braucht Geld – die 70er und 80er Jahre
Titel: Geschichte: 50 Jahre WWF
Link: http://www.wwf.de/der-wwf/geschichte/