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Deutscher Wappenvogel im Aufwind

29. September 2006

Zum Tag der deutschen Einheit: WWF freut sich über vermehrten Nachwuchs im Seeadlerhorst

 

Mölln, Frankfurt, 29.09.2006: Totgesagte leben länger: Zumindest beim Seeadler scheint sich das zu bewahrheiten. Vom D-Markstück, dessen Rückseite er einst zierte, schaffte er den Sprung auf die Ein-Euro-Münze. Im Bonner Bundestag einst als „fette Henne“ verspottet, tauchte der Vogel in abgespeckter Form flugs im Berliner Parlament wieder auf.  Auch in der Natur ist der Adler mit dem beeindruckenden Krummschnabel seit Jahren im Aufwind: Anders als beim Volk, das mit ihm als Wappenvogel lebt, stellt sich bei den großen Greifvögeln heute wieder regelmäßig Nachwuchs ein. Für den WWF ist die Geschichte des Seeadlers eine Erfolgsstory des Naturschutzes.  

 

Zuletzt wurden hierzulande 531 Brutpaare gezählt. Nach Angaben des WWF hat sich ihre Zahl seit 1980 (127) damit mehr als vervierfacht. Dabei hatte es einst düster für ihre Zukunft ausgesehen. Jahrhunderte lang wurden die Adler mit Fallen und Flinten verfolgt. Außerdem machten den Tieren Umweltgifte schwer zu schaffen: Das Insektengift DDT rückte nicht nur den Pflanzenschädlingen auf den Äckern zu Leibe, sondern ließ zugleich die Eierschalen immer dünner und zerbrechlicher werden. Zusammen mit der Zerstörung ihres Lebensraumes trugen diese Faktoren dazu bei, dass die Seeadler in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts fast überall in Europa am Rand des Aussterbens standen.  

 

„Das „Happy End für die majestätischen Vögel, deren Flügel eine Spannweite von 2,5 Meter aufweisen können, hat auch mit der Wiedervereinigung zu tun“, ist sich WWF-Adlerexperte Thomas Neumann sicher. Denn Seeadler sind auf ungestörte und bewaldete Seen-, Küsten- und Flusslandschaften angewiesen. Dort können sie Jagd auf Wasservögel und Fische machen und ihre Horste in den mächtigen Kronen alter Bäume errichten. Fast die Hälfte aller Seeadler Deutschlands brütet in Nationalparken und Naturschutzgebieten - ein Indiz dafür, dass die Ausweisung von Schutzzonen maßgeblich zu ihrer Wiederansiedlung beiträgt. Nach dem Fall der Mauer gelang es den Naturschützern aus Ost und West große Schutzgebiete auszuweisen. In ausgewählten Gebieten Schleswig Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs kaufte der WWF Flächen. In enger Zusammenarbeit mit Förstern, Grundbesitzern und den zuständigen Behörden wurden weit reichende Schutzmaßnahmen organisiert. Die Bewachung von Adlerhorsten gehörte ebenso dazu wie die Information von Wanderern und die zeitweilige Sperrung von Brutgebieten. Dank ihrer weitläufigen Seen und Flusslandschaften fühlen sich die Seeadler gerade in den östlichen Bundesländern heute wieder besonders wohl. Spitzenreiter ist das seenreiche Mecklenburg-Vorpommern mit zuletzt 235 Brutpaaren. „Der Schutz ihrer Lebensräume wurde erheblich verbessert“, freut sich Thomas Neumann. Besonders positiv beeinflusst wurde die Entwicklung durch die Reduzierung von Umweltgiften. Nach dem Verbot von DDT nahm die Schadstoffbelastung ihrer Beutetiere und damit auch der Seeadler deutlich ab. Neumann: „Nun muss noch die bei der Jagd häufig verwendete Blei-Munition aus der Natur verschwinden. Sie führt bei den Adlern durch das Fressen geschossener Tiere zu tödlichen Vergiftungen.“

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