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Donau: Bald längster Kanal Europas?

14. Februar 2006

WWF warnt vor ökologischen Schäden beim geplanten Ausbau von Wasserwegen

 

Frankfurt a.M., 14. Februar 2006, Anlässlich des internationalen Gipfels zur Binnenschifffahrt, der heute in Wien beginnt, fordert der WWF die EU auf, die Donau als größten naturnahen Strom Europas nicht der Binnenschifffahrt zu opfern. Transportpläne für Binnengewässer, die vorsehen, Fracht von der Straße auf die Flüsse zu verladen, können nur dann wirklich umweltfreundlich sein, wenn dabei gesunde Flussökosysteme erhalten bleiben, warnt der WWF.

 

 

 

'Von den LKWs auf die Schiffe - das muss gut durchdacht sein, damit es der Natur wenig schadet und der Umwelt auch wirklich nützt', gibt Georg Rast, Wasserwirtschaftsexperte des WWF zu bedenken. 'Flüsse sichern die Trinkwasserversorgung, sind Rückgrat des Hochwasserschutzes, Grundlage für die Fischerei und Lebensraum für zahlreiche Arten. Diese wichtigen Funktionen müssen in die Diskussion von Infrastrukturplänen mit einfließen!' Die Wiener Konferenz legt ihren Schwerpunkt auf das TEN-T Programm (Transeuropäisches Transportnetzwerk) und den NAIADES Aktionsplan der EU, die den Ausbau der Binnenschifffahrt zum Ziel haben. Umweltpolitische Aspekte sind auf der Tagesordnung jedoch nicht vorgesehen.

 

 

 

Eines der wichtigsten Projekte des TEN-T Programms ist der Ausbau und die Vertiefung der Donau auf etwa 1.000 Kilometern. Diese bisherigen Engstellen für die Schifffahrt sind aber gleichzeitig ökologisch besonders wertvolle Gebiete, wie die letzten frei fließenden Donaukilometer zwischen Straubing und Vilshofen in Bayern, in der Wachau in Österreich sowie lange Strecken der Mittleren und Unteren Donau in Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Für mehr als 80 Millionen Menschen, die im Einzugsgebiet der Donau leben, ist der Fluss eine wichtige Lebensgrundlage, außerdem Lebensraum für hunderte seltener Tier- und Pflanzenarten, vom Stör bis zum Pelikan.

 

 

 

Der WWF fordert, dass für die Donau und andere bedeutende Wasserwege ein strategischer Entwicklungsplan erstellt wird und dass bis dahin keine neuen Ausbaupläne umgesetzt werden. Zugleich können aber umweltverträgliche Lösungen zügig umgesetzt werden, wie zum Beispiel die Modernisierung der Schiffsflotte und verbesserte Wasserstandsvorhersagen: 'Es ist notwendig und auch möglich, den Schiffsverkehr an die Flüsse anzupassen,' so Rast weiter, 'und den Umbau der Mittleren und Unteren Donau zum Kanal zu vermeiden.'

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