Content Section

Donau ohne weitere Staustufen

15. Juli 2009

WWF fordert ökologisch vertretbaren Flussausbau für bayrische Donau. / CSU Niederbayern und EU-Generaldirektion wollen Staustufen.

 

Frankfurt - Anlässlich des bevorstehenden CSU-Parteitags fordert die Umweltschutzorganisation WWF an den von Bundesregierung beschlossenen, ökologisch gerade noch vertretbaren Verbesserungen an der bayerischen Donau, ohne Staustufen, festzuhalten. „Das bayrische Umweltministerium unter Herrn Söder verfolgt eine Ausbauvariante für eine frei fließende Donau - und ist damit auf dem richtigen Weg“, sagt Martin Geiger, Leiter des Bereichs Süßwasser beim WWF Deutschland. Allerdings könnten auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg am kommenden Wochenende gegenteilige Beschlüsse gefällt werden. Hintergrund ist die Forderung der niederbayrischen CSU für den Ausbau der Donau mit Staustufen zwischen Straubing und Vilshofen. Damit stellen sich Teile der Partei nicht nur offen gegen den eigenen Umweltminister sondern auch gegen die Bevölkerung. Nach einer repräsentativen Umfrage des Instituts Allensbach befürwortet eine klare Mehrheit der niederbayrischen Wähler einen Ausbau ohne weitere Staustufen.  

 

„Scheinbar ist manchen niederbayrischen CSU-Politikern Volkes Stimme nichts wert. Stattdessen hängen sie antiquierten Vorstellungen nach, dass neue Infrastruktur ökonomisches Wachstum und mehr Schifffahrt bringt“, sagt Martin Geiger. Der WWF-Experte bezieht sich auf eine aktuelle Studie zu den verkehrswirtschaftlichen Auswirkungen. Demnach gebe es keine Entlastung des Straßenverkehrs durch bessere Wasserstraßenverhältnisse, wie von den Ausbaubefürwortern stets angeführt. Nicht zuletzt ist gemäß den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie eine weitere Verschlechterung des ökologischen Zustands der Donau verboten. Der letzte frei fließende Donauabschnitt in Bayern ist Ende 2009 als „natürlicher Wasserkörper“ ausgewiesen worden. „Umweltminister Söder hat in diesem Punkt eine klare Entscheidung getroffen, auf Grundlage der außergewöhnlichen Bedeutung dieser letzten unverbauten, deutschen Donaustrecke“, bekräftigt WWF-Experte Geiger.  

 

Der WWF kritisiert auch die Generaldirektion für Verkehr und Energie der EU-Kommission. Diese ist nach Einschätzung des Umweltverbandes ein klarer Treiber hinter dem Staustufenausbau. „Die CSU sollte sich nicht für ein ökonomisch wie ökologisch unsinniges Vorhaben vor einseitige EU-Interessen spannen lassen“, fordert Martin Geiger.  

 

Hintergrund: Von ihrer Quelle im Schwarzwald bis zum Schwarzen Meer windet sich die Donau auf 2.857 Kilometern durch zehn europäische Staaten. Nach WWF-Angaben wurden in den vergangenen 100 Jahren mehr als 80 Prozent aller Feuchtgebiete und Auen entlang der Donau zerstört. Ein neues EU-Programm sieht vor, auf mehr als 1.000 Flusskilometern Hindernisse und Engstellen zu beseitigen. Von diesen Baumaßnamen wären auch Schutzgebiete und wertvolle Naturräume betroffen. Der WWF setzt sich gemeinsam mit anderen Umweltverbänden für eine umweltverträgliche Nutzung des Flusses ein.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken