© Thomas Stephan / WWF
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Alles grün? Naturschutz in Deutschland

Teil 1: Landwirtschaft und FSC – Nachhaltigkeit ist das Zauberwort

Stinkend-schaumige Flüsse und abgestorbene Wälder: In den siebziger und achtziger Jahren konnte man deutlich sehen und riechen, was wir unserer Natur antun. Ob Waldsterben, Abwässer oder saurer Regen – das Ausmaß der Vergiftung und Zerstörung unserer Umwelt war immens. Heute sind die meisten deutschen Wälder noch immer grün und viele Gewässer haben wieder Badequalität. Das sind große Erfolge, erreicht durch Protest, Einsicht, konsequente Umweltauflagen und neue Technik – ohne dabei auf Wohlstand verzichten zu müssen.

Und noch eine Bilanz fällt positiv aus: In 14 Nationalparks, 13 Biosphärenreservaten, 100 Naturparks und nicht weniger als 9000 Naturschutzgebieten ist heute in Deutschland Natur (mehr oder weniger) unter Schutz gestellt – insgesamt etwa 14 Prozent der Landesfläche. 

Oasen in der Ödnis

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Viele Naturschutzgebiete sind zu klein und liegen isoliert inmitten verbauter Landschaft. Auch die Qualität der Natur ist in vielen Refugien mangelhaft. Denn fast überall wird Natur weiter genutzt – sei es durch Landwirtschaft, Jagd oder Fischerei.  

Echte Wildnis ohne menschliche Eingriffe gibt es heute lediglich auf höchstens einem halben Prozent der deutschen Landesfläche. Die Bundesregierung will diese Quote auf zwei Prozent erhöhen. Das ist löblich, doch die Realität hinkt diesem bescheidenen Ziel noch weit hinterher. Es ist Zeit zum Handeln, denn Naturschutzgebiete sind kein Selbstzweck. Sie sind grüne Lungen, Wasserspeicher, Heimat seltener Tier- und Pflanzenarten, außerdem Erholungsgebiete für gestresste Menschen. Und sie werden immer wertvoller, denn um sie herum geht der Flächenverbrauch in Deutschland ungebremst weiter. Jeden Tag werden laut Bundesamt für Naturschutz 113 Hektar Boden zugebaut - mehr als 100 Fußballfelder.

Selbst dort, wo kein Boden unter Straßen, Siedlungen oder Industriebauten erstickt wurde, verschwindet fatalerweise Natur: Auf landwirtschaftlichen Flächen, die wegen Milchseen und Butterbergen vor Jahren stillgelegt wurden, werden Monokulturen aus Mais oder Raps angebaut. Die Subvention von so genannter Bioenergie macht’s möglich. Die Folgen sind massiv: Schon jetzt werden jedes Jahr große Mengen Kunstdünger und rund 30000 Tonnen Pestizide auf Deutschlands Äcker und Felder gesprüht. Nicht nur Hase und Rebhuhn leiden darunter. Die Gifte sickern ins Grundwasser und landen letztlich in Nord- und Ostsee.  

Der WWF fordert und unterstützt daher Agrarumweltprogramme, die den ökologischen Landbau, Erosionsschutz, verringerten Dünger- und Pflanzenschutz­mitteleinsatz sowie Biotopschutzmassnahmen finanziell honorieren. Die Umweltstiftung setzt sich dafür ein, diese Form der Unterstützung der Landwirte deutlich auszubauen und die bisher per Gießkanne ausgeschütteten Agrarsubventionen deutlich zu kürzen.  

In der deutschen Forstwirtschaft wiederum hat der WWF durch seine Unterstützung des FSC-Siegels einen entscheidenden Anstoß zur nachhaltigen Waldnutzung gegeben. Es zeichnet solche Wälder aus, die garantiert naturnah bewirtschaftet werden – wo zum Beispiel dem Boden angepasste Baumarten gepflanzt werden, auf große Kahlschläge verzichtet wird und Totholz liegen bleiben kann. Dank des FSC-Zeichens kann man sich beim Holzkauf auch bewusst für Produkte aus solch naturnah genutzten Wäldern entscheiden. Fast 500000 Hektar Wald sind mittlerweile in Deutschland FSC-zertifiziert. 

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