Teil 2: Wildnis vor der Haustür

Flächen für die Wildnis schaffen - setzt sich der WWF in Deutschland ein. Zum Beispiel auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen Lieberose und Jüterbog in Brandenburg. Unter Mitwirkung des WWF wurde 1999 die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg gegründet, die seitdem fast 12.000 Hektar Land erworben hat. Wo einst Panzer eine Mondlandschaft hinterließen, wächst nun der Urwald der Zukunft heran. Schwarzstorch, Kranich, Fischadler und Fischotter finden dort bereits ein sicheres Rückzugsgebiet.  

Flächen anzukaufen und sie zu renaturieren – mit diesem Konzept hat der WWF bereits seit mehr als 40 Jahren erfolgreich Naturschutz in Deutschland betrieben. Auch entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze: Der WWF ergriff die Chance, zusammen mit Naturschützern aus der ehemaligen DDR, die durch die Betongrenzanlagen und Minenstreifen geschlagenen Wunden in der Natur durch grenzübergreifende Naturschutzprojekte zu heilen. 

Der WWF setzte sich daher dafür ein, dieses Naturerbe zu bewahren. Wie zum Beispiel im Drömling: Teile dieses Feuchtgebietes in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt waren erhalten geblieben. Im westlichen Teil begann das WWF-Engagement bereits vor 30 Jahren. Mit der Gründung des Zweckverbandes „Drömling Sachsen-Anhalt“ 1991 im Naturpark Drömling wurde das Naturschutzgroßprojekt von „gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung“ durch den Bund und das Land anerkannt und maßgeblich gefördert. Bis heute wurden fast 4000 Hektar Fläche gekauft und im Verbund mit weiteren öffentlichen Flächen mehr als 10000 Hektar Naturschutzgebiet ausgewiesen. Seither erleben wertvolle Moore, ungedüngte Feuchtwiesen und artenreiche Sumpfwälder eine Renaissance. Besonders die wiedervernässten Wiesen beeindrucken mit ihrer Artenvielfalt: Fast 10000 Kraniche, 30000 Gänse und 95000 Kiebitze rasten hier wieder jedes Jahr.  

Auch weiter im Norden, in der Landschaft um den Schaalsee, ist Bemerkenswertes erreicht worden. Dort lebten die letzten Seeadler-Brutpaare im bundesdeutschen Westen, für die sich der WWF seit 1972 massiv einsetzte. Denn das Pflanzengift DDT, Eierdiebe und Verfolgungen als Fischräuber hatten die Bestände bis auf kümmerliche Reste dezimiert. Die Gelege der Seeadler wurden von Freiwilligen bewacht, es wurde um Verständnis bei der Fischerei geworben und ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung der Region entstand.

Nach dem Fall der Mauer hat der WWF hier 1990 ein 30000 Hektar großes länderübergreifendes Schutzprojekt mit auf den Weg gebracht. Durch Bund und Länder als gesamtstaatlich bedeutendes Projekt anerkannt, konnten mit finanzieller Förderung über 4500 Hektar erworben und ein reiches Mosaik aus  natürlichen Buchenwäldern, Hochmooren, Bruchwäldern und zahlreichen Seen unter Naturschutz gestellt werden. Die Schaalsee-Landschaft ist heute auf mecklenburgischer Seite ein Unesco-Biosphärenreservat, auf schleswig-holsteinischer Seite ein Naturpark. Die Seeadler haben sich seither nicht nur am Schaalsee vermehrt.  

An der Elbe wiederum – dem ehemaligen deutsch-deutschen Grenzfluss – beauftragte 2001 der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin den WWF mit dem bislang finanziell aufwändigsten Naturschutzvorhaben seiner Geschichte: In zehn Jahren den mit mehr als 9000 Hektar größten Auenwald des Stromes zu retten und zu renaturieren –für über 15 Millionen Euro, die größtenteils Bund und Land sowie zu zehn Prozent der WWF finanzieren. Besonders aufwändig ist dabei die Rückverlegung des Deiches im Lödderitzer Forst, die für dieses Jahr geplant ist. Damit werden 600 Hektar natürliche Überflutungsfläche geschaffen. Langfristig werden von diesem Projekt nicht nur die seltenen Elbe-Biber profitieren, sondern auch die Anwohner: Hochwasser kann so abgebremst und verringert, möglicher Schaden reduziert werden.  

Neben dem Schutz großer Naturflächen fördert der WWF auch gezielt die Rückkehr großer Beutegreifer wie des Wolfs. Früher verfolgt und ausgerottet, ist er von allein in die Niederlausitz zurückgekehrt. Nun versucht die Umweltstiftung mit Aufklärungsarbeit Ängste in der Bevölkerung abzubauen. Dabei vermittelt der WWF zwischen Politik, Jägerschaft und Landwirtschaft, um mögliche Konflikte mit dem Wolf zu lösen und dessen Bleiben dauerhaft zu sichern.

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