Teil 3: Klimawandel und Artenschutz

Um unsere heimischen Tier- und Pflanzenarten mit ihren Lebensräumen zu erhalten, müssen wir aber auch auf globale Entwicklungen schauen. Und da stehen die Zeichen auf Sturm: Der Klimawandel verändert auch die heimische Natur. Die Winter werden wärmer, die Sommer heißer und trockener. Der Frühling beginnt bereits mindestens zwei Tage früher. Zugvögel ziehen nicht mehr fort, neue Arten wandern vom Süden ein und verdrängen Altbewohner Richtung Norden oder in die Berge. Neue Pilze und Krankheiten breiten sich aus. Das werden nicht alle Tier- und Pflanzenarten überleben. Bis zu 30 Prozent unserer heimischen Vielfalt könnten wir verlieren, warnt das Bundesamt für Naturschutz. Vor allem, weil es trockener werden wird und viele Lebensräume – vor allem artenreiche Feuchtgebiete – schrumpfen. Der WWF setzt sich darum bei Politik und Industrie dafür ein, die erklärten Senkungen der Treibhausgasemissionen zum Jahr 2020 auch umzusetzen.  

Zugleich müssen wir Tieren und Pflanzen durch direkten Naturschutz helfen, den Klimawandel besser zu ertragen. Indem wir ihre Lebensräume erhalten und ihnen Raum geben, sich den veränderten Bedingungen anzupassen – wie durch Wanderung. Auch deshalb müssen wir versuchen, die meist isolierten Schutzgebiete miteinander durch „grüne Korridore“ wie Hecken, naturnahe Bäche oder Ackerrandstreifen zu vernetzen. Wenn sich isolierte Tier- und Pflanzenpopulationen dadurch wieder genetisch austauschen können, verbessert das die Überlebenschance ihrer Art.  

Artenschwund bremsen 

Ökologisch bedeutsame Flächen sind mittlerweile Teil eines im Aufbau befindlichen europaweiten Netzwerkes an Lebensräumen mit dem Namen „NATURA 2000“. Als Mitglied der EU ist Deutschland verpflichtet, dafür geeignete Gebiete zu melden, in ihrer ökologischen Qualität zu erhalten und im Sinne der Natur zu entwickeln. Leider sind die Bundesländer noch zögerlich, solche Gebiete auch als Schutzgebiete auszuweisen. Es mangelt zudem an Managementplänen und Ausgleichszahlungen an Landwirte für den Verzicht auf Flächennutzung. 

Das ist umso unverständlicher, als sich Deutschland als einer von mehr als 140 Unterzeichnern der Biodiversitätskonvention einem hohen Ziel verpflichtet hat: Den Verlust an biologischer Vielfalt bis zum Jahre 2010 signifikant zu reduzieren – und in Europa sogar zu stoppen. Doch dafür wird – siehe Interview – noch zu wenig getan. 

Die WWF-Ziele  

Der WWF wird daher unsere Entscheidungsträger immer wieder erinnern, alles dafür zu tun, dass der Artenschwund in Deutschland endlich ein Ende hat und das Biodiversitätsziel 2010 spätestens in ein paar Jahren erreicht wird. Dazu gehört, dass
• mehr Wildnisgebiete zugelassen werden – auch für große Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Braunbär,
• in großen Schutzgebieten endlich Natur Natur bleiben kann – und zum Beispiel im Nationalpark Wattenmeer auf Ölförderung verzichtet wird sowie
• der übermäßige Eintrag von Schad- und Nährstoffen vor allem aus Industrie und Landwirtschaft gebremst wird.

Zudem wird die Umweltstiftung
• verstärkt Verantwortung für die Renaturierung neuer großer Flächen übernehmen und
• sich aktiv für die Entsiegelung von Flächen einsetzen. 

Denn bei allem globalen Denken, das heute mehr denn je nötig ist, um im Naturschutz etwas zu erreichen: Konkret handeln müssen wir lokal. Zum Schutz der Tropenwälder in Amazonien oder gegen Wüstenbildung in Afrika genauso wie für die Restnatur vor unserer Haustür.  

Frank Barsch, WWF