Methanhydrat: Zeitbombe am Meeresboden?

- © Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
Es sieht aus wie Eis, brennt leicht und löst sich an der Wasseroberfläche sekundenschnell in Wasser und Luft auf. Der ungewöhnliche Stoff heißt Methanhydrat und stammt vom Boden untermeerischer Kontinentalabhänge – wo das Flachmeer in die Tiefsee übergeht. Dort bildet die Substanz riesige Teppiche, durchzieht die Sedimente und hält sie wie eine Art Kleber zusammen.
Methanhydrat entsteht am Meeresboden zum einen durch Bakterien, die organische Substanzen abbauen. Dabei bildet sich das Gas Methan CH4, das in Verbindung mit Wasser unter hohem Druck und niedriger Temperatur zu Eis gefriert. Zum anderen stammt es vermutlich aus Hydrat-Lagerstätten in der Erdkruste. Chemisch betrachtet bestehen seine Kristallgitter aus Wasser, in denen frei bewegliche Methanmoleküle wie in einem Käfig stecken. Und zwar jede Menge: Ein einziger Kubikmeter Methanhydrat kann mehr als 160 Kubikmeter Methangas speichern. Kein Wunder also, dass diese Eisbrocken an der Wasseroberfläche leicht brennen können.
Genau deshalb wird Methanhydrat bereits von Optimisten als neuer Energieträger der Zukunft gesehen. Denn nach groben Schätzungen soll in marinem Methanhydrat rund doppelt so viel Kohlenstoff gebunden sein wie in allen bekannten Erdgas-, Erdöl- und Kohlevorkommen zusammen.
Doch der neu gefundene Rohstoff hat gleich zwei erhebliche Nachteile: Zum einen ist er an der Erdoberfläche extrem instabil, deshalb löst er sich in Luft auf. Und zwar mit Getöse: Bei steigender Temperatur und fallendem Druck entweicht dem schmelzenden Hydrat das Gas Methan explosionsartig – bei mindestens 160fachen Volumenzuwachs. Solche Explosionen durch Zersetzung am Meeresboden können schon mal Hangrutsche auslösen, und in deren Folge auch Tsunamis. Das allein wäre ein enormes Risiko bei einem Abbau.
Hinzu kommt: Entwiche Methan ungehemmt in die Atmosphäre, würde es den Treibhauseffekt gewaltig anheizen. Methan ist 21mal wirksamer als das Treibhausgas Kohlendioxid. Umgekehrt kann auch der bereits in Gang gesetzte Klimawandel einen durch Methanhydrat stabilisierten Kontinentalhang ins Rutschen bringen: etwa durch die Verlagerung einer Meeresströmung. Was vor 55 Millionen Jahren offenbar zu einem globalen Klimakollaps führte – mit tödlichen Folgen für viele Arten.

