
- © Helene Petit / WWF-Canon
Ein Anfang ist gemacht
Solche Überlegungen könnten Verbraucher durchaus beschleunigen. Denn für immer mehr Menschen spielen Überfischung und Artensterben bei ihrer Kaufentscheidung eine ausschlaggebende Rolle. Das bestätigt auch Bas Zaunbrecher, Manager des niederländischen Fischgroßhändlers Anova, der auf Bali Fische im großen Stil verarbeitet und sie dann nach Nordamerika und Europa verschickt. Das Unternehmen beliefert in Deutschland unter anderem Aldi, Metro und Deutsche See. „Immer mehr Kunden fragen, wo der Fisch herkommt und wie er gefangen wurde“, berichtet der Manager. „Heute haben wir Kennzeichnungen auf unseren Packungen, von welchem Boot der Fisch stammt, an welchem Tag er wie gefangen wurde, wann er wo verarbeitet und wie lange er transportiert wurde.“ Fisch von Anova aus Bali trägt die Aufschrift „100 Prozent Delfin-sicher“. Schildkröten-sicher ist er noch nicht. Deshalb arbeiten Anova und der WWF zusammen, um die balinesischen Vertragspartner des Unternehmens zu motivieren, auf die schildkrötenfreundlichen Rundhaken umzusteigen. Zugleich hat Bas Zaunbrecher einem Testlauf mit Circle Hooks auf den firmeneigenen Booten zugestimmt. Wenn der Test erfolgreich ist – und das bedeutet für ihn: Wenn am Ende mindestens ebenso viele Tunfische aus dem Meer gezogen werden wie mit den alten Haken – möchte er die gesamte Flotte mit den Rundhaken ausstatten. Dann könnte er sich vorstellen, in etwa drei Jahren Tunfischfilets in Europa anzubieten, die „beifangfrei“ gefischt wurden – und damit ohne Meeresschildkröten zu gefährden.
Schlaue Netze
Der Rundhaken in der Langleinenfischerei ist nur ein Beispiel, wie man die unvorstellbaren Mengen an Beifang reduzieren kann. Fangnetze können mit artspezifischen Fluchtfenstern ausgerüstet werden, durch die mitgefangene, aber unerwünschte Arten entkommen können, während die Zielfischart im Netz gefangen bleibt. Ein Großteil des Beifangs kann durch solche selektiven Fanggeräte vermieden werden. Und das ist noch nicht alles: Der WWF richtet seit einigen Jahren regelmäßig den weltweiten Wettbewerb „Smart Gear“ („Schlaue Netze“) aus, bei dem Innovationen prämiert werden, die den Beifang verringern. Inzwischen gibt es bereits eine Vielzahl praktischer Lösungen zur Beifangverminderung: Von akustischen Signalgebern – so genannten Pingern – in Stellnetzen, die Wale und Delfine auf Abstand halten, über Scheuchvorrichtungen für Seevögel an Langleinen bis zu „Notausgängen“ in Schleppnetzen, die es Schildkröten und Meeressäugern ermöglichen, das Netz wieder zu verlassen.
Zurück im Hafen von Benoa auf Bali: Die Meeresschildkröte am Haken von Soehartoyo hat Glück. Der Fischer hatte bereits seine J-Haken gegen die Rundhaken ausgetauscht. Als sie in den Köder biss, hat sich der Haken zwar in ihre Wange gebohrt, aber sie konnte ihn nicht verschlucken. So kann Soehartoyo das Tier leicht mit einem speziellen Gerät befreien und es wieder ins Meer entlassen. Die Wunde im Maul wird verheilen und die Meeresschildkröte kann weiterleben. Daniel Goliasch, WWF
Der Einsatz von Rundhaken und die Verwendung schlauer Netze sind zwei ganz wichtige Wege, um die kolossale Verschwendung auf den Weltmeeren deutlich zu verringern. Auch als Verbraucher können Sie sich aktiv gegen Überfischung und übermäßigen Beifang einsetzen, indem Sie beim Einkauf Produkte mit dem MSC-Siegel bevorzugen.

