Mehr Klarheit unter Wasser

Balanceakt Ostsee Teil 3

Kreideküste Nationalpark Jasmund. © Annika Magdorf / WWF
Kreideküste Nationalpark Jasmund. © Annika Magdorf / WWF

Noch gravierender scheint der Klimawandel das Schicksal der Ostsee zu verändern. Nach Prognosen führender Wissenschaftler wird die Ostsee spätestens in 30 Jahren das Mittelmeer als Badewanne Europas ablösen – wenn bis dahin nicht dicke Matten von Blaualgen den Badespaß verderben. Denn das Wasser wird sich um mehrere Grad erwärmen. Die Sommer werden länger – an der Südküste trockener, im Norden regnerischer. Also rosige Aussichten auf polnische Oliven, Mecklenburger Riesling und jede Menge Touristen?

Nur im bestmöglichen Szenario. Damit dies eintreten kann und sich die Ostsee durch die Erderwärmung nicht vollends in ein totes Meer verwandelt, müssen wir die jetzigen Belastungen erheblich verringern.

Konkret müssen wir Folgendes tun:

• Das Wasser muss wieder klar werden, damit die Ostsee wieder durchatmen kann. Alle müssen gemeinsam dieses Jahrhundertziel schultern – Kommunen, Industrie, Schifffahrt und Anwohner. Der WWF wird dazu noch mehr Überzeugungsarbeit leisten.

• Wir brauchen zudem einschneidende Veränderungen in der Fischereipraxis und im Verbraucherverhalten, um Dorsch und Ostseelachs zu retten und den Stör wieder heimisch zu machen.

• Kegelrobbe und Seehund, heute nur sporadische Gäste an der deutschen Ostseeküste, sollen zudem wieder zu Dauerbewohnern werden, wie dies dank guter Naturschutzarbeit des WWF bereits mit Seeadler und Kranich gelungen ist.

• Die Ringelrobbe wiederum ist mehr als andere dringend darauf angewiesen, dass wir endlich konkrete Maßnahmen im Klimaschutz erreichen – denn die kleinste Robbenart zieht ihre Jungen auf dem Eis der nördlichen Ostsee auf. Es kann nicht sein, dass Deutschland mit dem Bau neuer Kohlekraftwerke – zum Beispiel bei Greifswald – das Klima weiter anheizt und nebenher vor Ort auch das Ostseewasser als Kühlmittel missbraucht. 

• All diese Ziele des Naturschutzes werden wir nur mit Ostsee-Nutzern gemeinsam erreichen. Wie bei der Schutzvereinbarung zum Greifswalder Bodden, den auf WWF-Initiative hin Angler, Wassersportler und Naturschützer gemeinsam unterzeichneten.

Auch bei der geplanten Ostseepipeline, dem größten Bauprojekt der ganzen Region, hat der WWF beim russisch-europäischen Konzern Nordstream die erforderlichen Standards für die Umweltprüfungen eingefordert – inklusive des Verzichts auf einen Streckenverlauf durch den Greifswalder Bodden.

Es gibt also noch Einiges zu tun, damit unsere Vision Wirklichkeit wird: Die Ostsee als einzigartiges Erbe der Eiszeit für unsere Kinder und Enkel zu bewahren.

Weitere Informationen

Zurück zu Ostsee Teil 1 >>

Übersicht: Unsere liebsten Urlaubs-Meere >>