Amazonien

Der Kampf gegen die Entwaldung

Keine Region der Erde ist artenreicher als die schier endlosen Regenwälder am Amazonas. Doch der tägliche Raubbau bedroht die Region und hat verheerende Folgen. Jetzt gibt es Hoffnung, die Entwaldungsfront zu stoppen.

Es raschelt und knackt auf allen Etagen: Vom Boden bis zu den höchsten Baumkronen des brasilianischen Amazonas-Regenwalds hinauf lässt ein Trommelfeuer an Geräuschen auf ein pralles Leben hinter grünen Blättervorhängen schließen. Doch nur wer sich viel Zeit nimmt, bekommt einen der Urwaldbewohner auch zu Gesicht. Denn die meisten verstehen es glänzend, im nahezu undurchdringlichen Dickicht unentdeckt zu bleiben.

Bei einem Ausflug in die Randgebiete des brasilianischen Regenwaldes wird schnell klar: Wer einmal in das Dickicht eintaucht, wird diese Wälder, die insgesamt etwa 20mal so groß sind wie Deutschland, als begeisterter Hobby-Ornithologe verlassen. Hier gibt es mit der Harpyie zum Beispiel den kräftigsten Adler der Welt, der sogar Affen von den Bäumen holt. Und hier sind die farbenprächtigsten Papageien zuhause, die paarweise über die Baumkronen hinweg fliegen. Daneben fasziniert auch die Erkenntnis, dass man sich gerade in das Reich von Jaguaren, Schlangen, Piranhas und unzähliger Kaimane hineingewagt hat.

Und selbst wenn man die meisten Urwaldbewohner nur hört oder allenfalls ihre Spuren findet: Man ahnt auf Schritt und Tritt, sie sind da, vielleicht ganz nah über dem nächsten Blätterdach. Ein Gefühl, das nicht trügt: Der Großteil der Regenwälder im Amazonasbeckens ist noch weitgehend intakt und unberührt. Insgesamt ein Zehntel der weltweiten Artenvielfalt soll sich in Amazonien tummeln.  

Das Geschäft mit dem Wald

Noch ist der Amazonas-Regenwald mit 6,7 Millionen Quadratkilometern der größte der Erde. Doch aus dem Südosten Brasiliens rückt eine regelrechte Entwaldungsfront immer näher: Bereits 17 Prozent des brasilianischen Regenwalds wurden unwiederbringlich vernichtet, weitere 18 Prozent bereits stark geschädigt. Mit dem Bau tausende Kilometer langer Straßen, die immer mehr ehemals ungestörte Wälder wie offene Adern durchziehen, rücken die Menschen immer tiefer in den Regenwald vor. Auf diesen Staubpisten werden zunächst die „Kronjuwelen“ des Regenwalds abtransportiert: Auf jedem Laster, der eines der vielen Sägewerke ansteuert, liegen etwa zehn bis zwölf Stämme. Die Holzindustrie kann sich bei ihren Geschäften zum großen Teil auf über Jahrzehnte entwickelte Seilschaften des illegalen Holzhandels verlassen.

Während die wirtschaftlich wertvollsten Bäume zu Schnittholz für Parkett oder Möbel zersägt werden, rollt bereits die zweite, finale Vernichtungswelle, bei der mit Feuer und schwerem Gerät auch die restlichen Baumstümpfe und das verbliebene Unterholz beseitigt werden. Jede Minute verschwindet so Wald in der Größe von etwa fünf Fußballfeldern. Zurück bleibt eine gerodete Ödnis, die schließlich als Weideland oder Sojaplantage genutzt wird.

Die gigantische Naturvernichtung hat längst globale Folgen: Brasilien zählt mittlerweile zu den vier größten Kohlendioxid-Verursachern der Welt. Und das, obwohl das Land mit seinen noch immer riesigen Regenwäldern über den größten natürlichen Kohlenstoff-Speicher verfügt, den es nach den Weltmeeren auf der Erde gibt. Kein Wunder, dass die Wahrung der letzten Tropenwälder auch in der Klimaschutzdebatte eine immer größere Rolle spielt.

Mehr über die Rettungsinitiative des WWF und den Zusammenhang Klima und Regenwald finden Sie rechts.

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