
- Der Amazonas-Regenwald © Zig Koch / WWF
Amazonien: Kampf um die Regenwälder
Noch ist die Größe imponierend – trotz unverminderten Raubbaus stehen in der rund 6,7 Millionen Quadratkilometer großen Amazonasregion noch 80 Prozent der ursprünglichen Regenwälder. Entsprechend groß ist ihr globaler ökologischer Einfluss...
... als Wasserspeicher: Allein 15 Prozent des weltweiten Flusswassers durchströmen den Amazonas und seine 1.100 Nebenflüsse.
... als Klimaanlage: Die Sonnenenergie, die auf die Regenwälder Amazoniens einstrahlt, wird durch Verdunstung in riesige Mengen Wasserdampf umgewandelt. Die so entstehenden Wolken haben einen kühlenden Effekt auf das Weltklima.
... als Schatzkammer biologischer Vielfalt: In Amazonien leben etwa zehn Prozent aller Arten weltweit – 40.000 verschiedene Pflanzen, mehr als 100.000 Wirbellose, 400 Amphibien, 350 Reptilien, 1.300 Vögel sowie mehr als 400 Säugetiere wurden bisher nachgewiesen. Weil viele Gebiete noch nahezu unerforscht sind, könnten es noch viel mehr Arten sein.
... als Heimat für rund 30 Millionen Menschen: Davon sind 2,7 Millionen indigen und gehören zu mehr als 300 unterschiedlichen Völkern.
Ausverkauf am Amazonas
Doch längst bestimmen andere als die ursprünglichen Bewohner über dieses kolossale Riesenreich. Ein gnadenloser Wettlauf um die Naturgüter der Regenwälder, wie Erdöl-, Erdgas und Eisenerz, ist im Gange. Der Bedarf an Nahrungsmitteln und der boomende globale Handel wiederum haben die Nachfrage nach Rindfleisch und Soja sowie die entsprechenden Landflächen für deren Gewinnung gewaltig ansteigen lassen. Treibende Kraft hinter der Entwaldung sind vor allem in Brasilien große Unternehmen. Zwischen 2003 und 2007 wurden durchschnittlich jedes Jahr 19.000 Quadratkilometer Wald für Land- und Viehwirtschaft gerodet. Auf mehr als 80 Prozent der entwaldeten Fläche Amazoniens weiden heute Rinder.
Die Zerstörung immer größerer Regenwaldflächen könnte auch den Klimawandel deutlich beschleunigen. Denn in den Wäldern Amazoniens ist so viel Kohlenstoff gespeichert, wie die gesamte Menschheit in rund zehn Jahren durch Kohlendioxid in die Atmosphäre freisetzt. Der noch vorhandene Amazonasregenwald könnte sogar auch ohne weitere Brandrodung schrumpfen –wenn es noch wärmer wird. Dann nämlich könnte immer öfter der Regen ausbleiben und der Regenwald zu ödem Buschland verkommen.
Schon heute zählt Brasilien durch die Brandrodung zu den größten Kohlendioxid-Emittenten überhaupt.
Das größte Naturschutzvorhaben der Welt

- © WWF
Diese dramatische Entwicklung lässt sich nicht von heute auf morgen stoppen. Doch wir können das Tempo der Zerstörung entscheidend abbremsen – und dafür sorgen, dass das einmalige Naturparadies dauerhaft erhalten bleibt. Dafür engagiert sich der WWF. Ein Weg zur Rettung der Amazonaswälder sind Schutzgebiete, und zwar möglichst im XXL-Format. Damit sie nicht nur auf dem Papier stehen, müssen sie dauerhaft finanziert werden.
Ein entscheidender Schritt ist deshalb das brasilianische „Amazon Region Protected Area Programme“ (ARPA) – das umfassendste Tropenwaldschutzvorhaben, das je gestartet wurde. Brasiliens Regierung wird gemeinsam mit der KfW Entwicklungsbank, dem WWF, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Weltbank und der Global Environment Facility GEF bis 2016 brasilianischen Amazonas-Regenwald mit einer Fläche von 600.000 Quadratkilometern durch ein umfassendes Schutzgebietsnetzwerk sichern – ein Gebiet größer als Frankreich. Damit soll die bislang geschützte Fläche verdoppelt werden: auf mehr als 20 Prozent des brasilianischen Amazonas-Regenwaldes.
Mehr als 400 Millionen US-Dollar werden für das gesamte ARPA-Programm benötigt. In der ersten Phase bis Ende 2008 werden insgesamt 105 Million Dollar investiert sein – davon alleine vom WWF 16 Millionen. Von der Gesamtsumme werden 240 Millionen Dollar in einem Umweltfonds gesammelt. Dessen Erträge sollen nach der Ausweisung und Einrichtung der Schutzgebiete auf Dauer die Finanzierung der laufenden Kosten des riesigen Schutzgebietsnetzes sichern. Damit der Amazonasregenwald gerettet werden kann, müssen aber nicht nur Schutzgebiete ausgewiesen werden. Indigene Völker sollten auch deren lang geforderten Territorien bekommen.
Weitere Informationen
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