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Dramatische Situation auf Borneo und Sumatra

24. August 2009

Neueste WWF-Daten: Entwaldung ungebremst

 

Die Entwaldung auf Borneo und Sumatra, zwei der wichtigsten Regenwaldgebiete der Erde, schreitet ungebremst voran. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Bestandsaufnahme, deren Ergebnisse der WWF heute vorgelegt hat. Wenn die Entwaldung so fortschreitet, werden die Tieflandregenwälder auf beiden Inseln bis zum Jahr 2020 zerstört sein. Die Daten basieren auf Satellitenbildauswertungen der letzten Jahre und sind international die aktuellsten, die in Bezug auf Sumatra und Borneo vorliegen. Die größte Bedrohung ist mittlerweile die Umwandlung der Wälder in Plantagen aus Ölpalme und schnell wachsenden Baumarten (Akazie, Eukalyptus) für die Zellstofferzeugung. Ein Großteil der Produkte, für die in Indonesien Regenwald zerstört wird, wird für die Industrieländer produziert.

 

„Die neuesten Zahlen machen unmissverständlich deutlich, dass die Situation auf Borneo und Sumatra hoch dramatisch ist“, so WWF-Tropenwaldexperte Markus Radday. „Wenn dem Kahlschlag nicht Einhalt geboten wird, werden innerhalb einer Generation Wälder mit globaler Bedeutung für den Klimaschutz und einer faszinierenden Artenvielfalt zerstört sein. Für den Orang-Utan beispielsweise gibt es dann kaum noch eine Überlebenschance in freier Wildbahn.“

 

Von den ursprünglichen Waldgebieten Borneos, die einst 95 Prozent der Insel bedeckten, sind inzwischen nur noch 50 Prozent übrig geblieben. Zwischen 2003 und 2007 verlor Borneo jedes Jahr im Schnitt 1,15 Millionen Hektar Wald. Damit blieb die Entwaldung auf Borneo auf dem dramatischen Niveau, das sich Ende der 90er Jahre eingestellt hatte. Auch für Sumatra sind die Zahlen erschreckend. Im Zeitraum von 1985 bis 2007 verlor die Insel rund die Hälfte ihrer Waldflächen. In jedem dieser Jahre wurden durchschnittlich 550 Tausend Hektar entwaldet. Das bedeutet, dass in den letzten zwei Jahrzehnten in jeder einzelnen Stunde ein Wald von der Größe von 88 Fußballfeldern verschwunden ist. Der tropische Tieflandwald ist der am stärksten bedrohte Hauptwaldtyp der Insel. Nur noch 20 Prozent seiner ursprünglichen Ausdehnung sind heute noch übrig.

 

Ohne die Arbeit der Naturschutzorganisationen vor Ort wäre die Entwaldung Borneos und Sumatras noch weiter fortgeschritten, wie das Beispiel des „Heart of Borneo“ Gebietes zeigt. Im Innern der Insel entsteht auf WWF-Initiative ein rund 220.000 Quadratkilometer großes Netzwerk aus Schutzzonen und nachhaltig genutzten Wäldern. Das entspricht nahezu der Fläche Großbritanniens. Die Entwaldung in diesem Gebiet beträgt nur einen Bruchteil der in den küstennahen Zonen festgestellten Zerstörung.

 

Besorgniserregend ist die Tatsache, dass Borneo und Sumatra weltweit die Regionen mit den größten tropischen Torfmoorwäldern sind. Diese wachsen auf mächtigen Torfschichten und speichern ein Vielfaches der Menge an Kohlenstoff, die Regenwälder speichern. Die Abholzung der Torfmoorwälder Indonesiens hätte fatale Auswirkungen auf den Klimawandel. Die Torfmoorwälder Sumatras und Borneos sind Kohlenstoffspeicher gigantischen Ausmaßes. Mit 3.000 – 6.000 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar speichern sie bis zu 50-mal so viel Kohlenstoff wie eine gleich große Fläche Regenwaldes ohne Torfboden. Sobald diese Wälder entwässert, verbrannt oder gerodet werden, wird der Kohlenstoff aus den Böden in Form des Treibhausgases Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben. „Die Zerstörung der Torfmoorwälder ist in Bezug auf den Klimawandel eine tickende Zeitbombe“, so Markus Radday.  „Werden sie abgeholzt, würden gigantische CO2-Reserven freigesetzt, die kaum durch eine Reduktion in anderen Bereichen aufgefangen werden könnten“.

 

Um die Entwaldung zu stoppen, fordert der WWF die Ausweisung neuer Schutzgebiete und ein internationales Vorgehen zum Schutz der Tropenwälder. Eines der wichtigsten Mittel wäre ein internationaler Kompensationsmechanismus. Der WWF drängt deswegen auf die schnelle Einigung auf ein Verfahren zur Entschädigung der großen Waldnationen für den Erhalt ihrer Wälder im Rahmen des REDD-Mechanismus. REDD („Reduced Emissions from deforestation and forest degradation“) ist einer der zentralen Punkte des internationalen Post 2012 Klimaschutzabkommens, das auf der Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember ausgehandelt werden soll. Ziel ist, dass die Industrieländer für die Erhaltung des Regenwaldes einen finanziellen Beitrag leisten. Dieses Prinzip soll die CO2-Emissionen in tropischen Ländern langfristig vermindern. Durch REDD sollen große Geldströme fließen, wovon auch die lokale Bevölkerung profitieren wird.

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