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Düngen bis zum Umkippen

23. September 2008

Agrarministerkonferenz (24.-26.9 in Meißen)

 

Berlin, Meißen: WWF Studie: Agrarpolitik versagt beim Gewässerschutz 

 

Die Bauern dürfen sich in diesem Jahr über gute Ernten freuen. Doch die hohen Erträge wurden teuer erkauft. Sie gehen auf den massiven Einsatz von Stickstoffdüngern zurück. Gülle und Mineraldünger sorgen aber nicht nur für gefüllte Scheunen, sondern sie belasten die Gewässer, versauern die Böden, verursachen maßgeblich das Artensterben und stellen eine wachsende Belastung des Klimas dar. „Mit der derzeitigen Agrarpolitik ist eine Lösung des Problems nicht in Sicht.“ Dies ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen WWF-Studie, die die verschiedenen Ansätze, die Stickstoffbelastung zu reduzieren, unter die Lupe genommen hat. „Eine Stickstoffsteuer in Kombination mit einer effizienteren Kontrolle der bestehenden Gesetze wäre der beste Ansatz die Wasserbelastung zu reduzieren“, betont Tanja Dräger de Teran, Landwirtschaftsreferentin des WWF. Zudem sei eine Verbesserung der bestehenden Instrumente dringend erforderlich. An der Reduktion des Düngers führe auch aus Klimaschutzgründen kein Weg vorbei. Übermäßige Düngung führt zu erhöhten Emissionen von Lachgas, ein Treibhausgas, das rund 310-mal so schädlich ist wie Kohlendioxid.

 

Eine Umkehr des Trends ist nach Einschätzung des WWF nicht in Sicht. Im Gegenteil: Steigende Preise für Agrarprodukte und eine zunehmende Nachfrage nach Biomasse haben zu einer weiteren Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion geführt. In den letzten zwölf Monaten stieg der Absatz von Stickstoffdüngern um 13 Prozent. Dabei wird gerade einmal 50 Prozent des Düngers von den Pflanzen aufgenommen, der Rest belastet Böden, Atmosphäre und Gewässer. Wenn die Politik nicht endlich entsprechende Rahmenbedingungen schaffe, sei eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft mit fatalen ökologischen Folgen zu befürchten.

 

Die WWF-Studie überprüft, inwieweit die Agrarpolitik in der Lage ist, die notwendigen Reduktionen durchzusetzen. Klares Ergebnis der Untersuchung: Die existierenden Instrumente reichen bei weitem nicht aus, die gesetzten Umweltziele zu erreichen. „Der Handlungsdruck ist groß“, erläutert  Tanja Dräger de Teran vom WWF. Die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibe vor, dass bis 2015 alle Gewässer den „guten Zustand“ erreichen sollen. Nährstoffe aus der Landwirtschaft seien nach wie vor das Haupthindernis zu diesem Ziel. Wenn man die eigenen Ansprüche ernst nehme, führe deshalb kein Weg daran vorbei, neben einer Verschärfung des Ordnungsrechts über ökonomische Instrumente nachzudenken. Notwendige Weichen müssten jetzt gestellt werden. Der WWF fordert die Agrarminister der Bundesländer auf, sich bei ihrer Herbsttagung rückhaltlos für eine striktere Kopplung der Milliardensubventionen an Umweltanforderungen, insbesondere emissionsmindernde Maßnahmen, einzusetzen. Es könne nicht sein, dass die Bauern Gelder für umweltbelastende Produktionsweisen erhalten, und der Staat auf der anderen Seite Mittel bereitstelle, um die entstandenen Schäden wieder zu reduzieren.

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