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Durstiges Gemüse

15. Oktober 2008

Globalgap-Konferenz in Köln: WWF fordert strengere Umweltkriterien für Obst- und Gemüseanbau

 

Frankfurt - Illegale Bodennutzung und Wasserdiebstahl im großen Stil – beim Anbau von Obst und Gemüse für den deutschen Markt sind solche kriminellen Methoden leider keine Seltenheit. „Bisher hat es den Einzelhandel nicht interessiert, ob bei Anbau und Produktion illegal bewässert wurde“, sagt Dorothea August, WWF-Wasserexpertin. „Allein in Spanien werden tausende Hektar Anbaufläche mit rund 500.000 illegal gebohrten Brunnen bewässert. Wer sich solch krimineller Methoden bedient, dem sollte zukünftig der Zugang zum deutschen Markt verwehrt bleiben." Der WWF fordert daher, legale Wassernutzung als Pflichtkriterium für eine Zertifizierung durch den Globalgap-Standard festzulegen.

 

Erzeugern, die diesen Standard nicht erreichen, ist es faktisch unmöglich über den deutschen Großhandel ihre Ware zu verkaufen. Der WWF kritisiert jedoch bereits seit Jahren, die lückenhaften Umweltstandards als „zu weich“. Mit der heute in Köln beginnenden Globalgap-Konferenz startet ein Reformprozess, an dessen Ende ein neu definierter Standard stehen soll. Und dieser muss nach Auffassung des WWF dringend auch Pflichtkriterien zur rechtmäßigen Nutzung von Wasser und Land beinhalten.

„Wasser ist in vielen Anbauländern ein rares Gut. Dem deutschen Verbraucher darf nicht länger zugemutet werden, dass er durch den Kauf von Tomaten oder Orangen den Wassermangel weiter verschärft“, erklärt Dorothea August. Einer aktuellen WWF-Studie zufolge hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts der Wasserverbrauch der Landwirtschaft in der Mittelmeerregion verdoppelt. Tendenz weiter steigend. Die Folgen: Feuchtgebiete drohen auszutrocknen und Flüsse zu versiegen. Der Grundwasserspiegel sinkt. Langfristig könnte es gar zum Kollaps von Tourismus- und Agrarindustrie kommen. „Eine legale und nachhaltige Wassernutzung ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht nicht verhandelbar und muss zwingend in den Globalgap-Standard integriert werden“, fordert WWF-Expertin August.

Einen ersten Schritt in die richtige Richtung geht jetzt die Handelskette REWE. Gemeinsam mit dem WWF wird der Konzern in der Saison 2009 seine Erdbeerproduzenten in der Region Huelva (Andalusien) nach den vom WWF geforderten Kriterien prüfen. Im Vordergrund steht neben einer legalen Boden-nutzung vor allem eine effiziente und legale Bewässerung. Der WWF und REWE hoffen, dass die im  Pilotprojekt erprobten Kriterien bald für die gesamte Obst- und Gemüseproduktion verpflichtend in den Globalgap-Standard integriert werden. „Wir haben die Grenzen der künstlichen Flächenbewässerung erreicht. Es besteht daher dringender Handlungsbedarf“, warnt WWF-Expertin August. Allein in Spanien wird eine Fläche von 30.000 km² künstlich bewässert. Das entspricht in etwa der doppelten Größe von Baden-Württemberg. Pro Quadratkilometer künstlich bewässerter Anbaufläche werden jährlich 500 Mio. Liter Wasser verbraucht. 

 

Hintergrund:
Der GlobalGap Standard ist ein weltweit etabliertes Zertifizierungssystem für den landwirtschaftlichen Produktionsprozess. Die Globalgap-Zertifizierung wird in über 80 Ländern durchgeführt und ist für Lieferanten des Deutschen Lebensmitteleinzelhandels Voraussetzung.

Die im August 2008 veröffentlichte WWF-Studie zur Dürre im Mittelmeerraum kommt zu dem Schluss, dass die zunehmende Wasserknappheit, beschleunigt durch die Auswirkungen des Klimawandels, zu einer ernsthaften Bedrohung für den ökonomischen Wohlstand und die ökologische Vielfalt der Mittelmeerregion wird. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich der Wasserverbrauch der Landwirtschaft in den betroffenen Regionen verdoppelt. Gleichzeitig wurde wenig unternommen, um die Effizienz der Bewässerungstechnologie zu erhöhen. Hinzu kommt illegaler Wasserraubbau.

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