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Ein Glücksfall für das Wattenmeer

04. Juli 2006

20 Jahre Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer: Umweltverbände ziehen positive Bilanz, kritisieren aber die Politik der Landesregierung.

 

Hannover/Hamburg, 04.07.2006-Die Gründung des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer vor 20 Jahren ist ein Glücksfall für die einzigartige Küstenlandschaft an der Nordsee. Auf heute fast 2.800 Quadratkilometern werden Watt, Priele, Strände, Dünen, Salzwiesen und Sandbänke geschützt. Millionen Brut- und Zugvögel und tausende Seehunde fühlen sich hier wohl. Nach wie vor gefährden jedoch zahlreiche Eingriffe für Deichbau, Schiffsverkehr, Energiegewinnung sowie die Fischerei den Nationalpark. Im Zweifel werde zu häufig zu Lasten der Natur entschieden. Dies geht aus einer vom WWF herausgegebenen Bilanz der aus 11 Umwelt-verbänden bestehenden Arbeitsgemeinschaft (AG) Nationalpark hervor. Am kommenden Wochenende finden die offiziellen Jubiläums-Feierlichkeiten statt.

 

 

 

Zu den Pluspunkten des Nationalparks zählt der Verbände-Report die weitgehende Einschränkung der Jagd auf Wasservögel und das Verbot der Herzmuschelfischerei, verbesserte Regeln für den Schiffs- und Bootsverkehr und ein umfassendes Informationsangebot durch die 14 Nationalparkhäuser. Auch die Bevölkerung akzeptiert den Nationalpark. Trotz dieser Fortschritte gibt es nach Ansicht der Umweltschützer noch viel zu tun. 'Unsere Vision für die kommenden 20 Jahre ist ein Nationalpark mit fischereifreien Zonen, geöffneten Sommerdeichen und Salzwiesen, die nicht durch Küstenschutz bedroht werden', so Beatrice Claus vom WWF.

 

 

 

Scharf kritisiert die AG Nationalpark die Politik des Umweltministeriums. 'Die geplante Aufweichung eines mehrere Jahre alten Kompromisses zwischen Küsten- und Naturschutz ist ein aktuelles Beispiel für die Aushöhlung der Nationalparkidee', so Dr. Marita Wudtke vom BUND. Künftig soll das Material zum Deichbau wieder großflächig aus den geschützten Salzwiesen entnommen werden. 'Damit steht eine der großen Erfolgsstorys des Nationalparks - die Renaturierung der wertvollen Salzwiesen - auf dem Spiel', so Dr. Ronald Olomski vom Niedersächsischen Heimatbund. Zudem sei die Betreuung der Touristen völlig unzureichend. Derzeit sind nur vier von sieben Ranger-Planstellen besetzt. Dabei sind nach Ansicht der Verbände mindestens 50 Ranger nötig, um einen naturverträglichen Tourismus zu gewährleisten.

 

 

 

Zu schaffen machen dem Nationalpark die zahlreichen Bauvorhaben im und um das Wattenmeer. Dazu zählen die Verlegung von Stromkabeln für Offshore-Windparks, die Vertiefung der Flussmündungen von Elbe, Ems und Weser, der Bau eines Tiefwasserhafens an der Jade, der Weiterbau des Bremerhavener Containerhafens oder die in der 12-Seemeilen-Zone geplanten Windparks Nordergründe und Riffgat. Nach wie vor sei der Eintrag von Schad- und Nährstoffen zu hoch. Zudem gebe es noch keine Antworten auf die Frage, wie Küsten- und Naturschutz in Zukunft angesichts des durch den Klimawandel verursachten Meeresspiegelanstiegs in Einklang gebracht werden können.

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