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Eine Insel voller Überraschungen

19. Dezember 2006

WWF-Studie: Forscher entdeckten auf Borneo das zweitkleinste Wirbeltier der Welt

 

Forscher liefern auf ihren Entdeckungsreisen immer wieder neue Beweise für die atemberaubende und in großen Teilen noch unbekannte Artenvielfalt der südostasiatischen Regenwaldinsel Borneo. Eine neue WWF-Studie dokumentiert nun allein für den Zeitraum von Juli 2005 bis September 2006 die Entdeckung 52 neuer Tier- und Pflanzenarten. Darunter findet sich auch ein winziger Fisch, der in den extrem sauren Torfmoor-Gewässern der Insel vorkommt: Wissenschaftler haben dem Vertreter aus der Familie der Karpfenfische den Namen Paedocypris micromegethes gegeben. Mit nur knapp einem Zentimeter Länge gilt er nach dem auf der Nachbarinsel Sumatra beheimateten Mini-Fisch Paedocypris progenetica als das zweitkleinste Wirbeltier der Welt.

 

Wissenschaftler entdeckten in dem genannten Zeitraum insgesamt 30 Fischarten, zwei Laubfroscharten, 16 Ingwerarten, drei neue Baumarten sowie eine weitere Pflanzenart aus der Familie der Pfeilwurzgewächse. „Neu-Entdeckungen wie der zweitkleinste Karpfen der Welt zeigen, dass Borneo neben den berühmten Orang-Utans, Nashörnern und Elefanten immer wieder neue Überraschungen auf Lager hat“, freut sich WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler. Zu den erstaunlichsten Funden zählt nach Ansicht des WWF-Experten ein Wels mit hervorstehenden Zähnen und einem klebrigen Bauch, der es ihm erlaubt, sich in Stromschnellen an Felsen zu haften. Die Forscher identifizierten auch sechs Siamesische Kampffische, von denen einer eine schillernde blau-grüne Markierung trägt. Ein neu entdeckter Laubfrosch fällt durch eindrucksvoll hell leuchtende grüne Augen auf. Mit den neuen Ingwerarten hat sich die Zahl der bekannten Arten aus der Gattung der Etlingera mehr als verdoppelt.

 

Angesichts der neuen Funde macht der WWF erneut darauf aufmerksam, dass das noch weitgehend unerforschte Urwald-Paradies bedroht ist: Alle 20 Sekunden verschwindet auf Borneo eine Regenwaldfläche von der Größe eines Fußballfeldes. Die Hälfte der ursprünglichen Wälder wurde bereits durch Brände, durch die Umwandlung in Plantagen sowie durch den legalen und kriminellen Holzhandel vernichtet. Um die Artenvielfalt auf Borneo zu erhalten, setzt sich der WWF unter anderem für ein 220.000 Quadratkilometer großes Schutzgebietsnetzwerk ein - das entspricht der dreifachen Fläche Bayerns. Dieses „Herz von Borneo“, in dem auch einige der neuen Arten gefunden wurden, würde vor allem die entlegenen Bergwälder der Insel vor dem weiterem Raubbau schützen. Die Staaten Brunei, Malaysia und Indonesien, die sich die Insel teilen, haben bereits ihr grundsätzliches Einverständnis mit dem Schutzprojekt erklärt, den Schutzstatus jedoch noch nicht offiziell ausgesprochen.

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