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Eine unbequeme Wahrheit

09. Oktober 2006

WWF: Energiegipfel im Kanzleramt zeigt wenig Innovationskraft

 

Frankfurt, 9.10.2006: Zeitgleich zum 2. Energiegipfel im Kanzleramt startet in Deutschland Al Gores Klimafilm „Eine unbequeme Wahrheit“. In dem engagierten Film schildert der ehemalige US-Vizepräsident eindringlich Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels. Während Gore unmissverständlich deutlich macht, dass dringend gehandelt werden muss, um eine der größten Bedrohungen des 21. Jahrhunderts abzuwenden, ist man hierzulande von dieser Erkenntnis leider noch weit entfernt“, kritisiert Regine Günther, Leiterin des Klimabereichs beim WWF Deutschland. Der heutige Energiegipfel führe dies wieder einmal eindringlich vor Augen. Anstatt Energiesicherheit und Klimasicherheit endlich als zwei Seiten derselben Medaille zu betrachten, konzentriere sich ein Großteil der Runde im Kanzleramt auf Besitzstandswahrung.  

 

„Die Kanzlerin muss klar machen, dass es ein weiter wie bisher nicht geben wird, sondern für die Zeit nach dem Jahr 2012 anspruchsvolle Minderungsziele für Treibhausgase beschlossen werden“, betont Regine Günther. Der WWF fordert von der Bundesregierung, dass sie sich während der EU-Präsidentschaft für ein europäisches Minderungsziel von 30 Prozent bis 2020 einsetzt und sich für Deutschland auf eine Minderung von 40 Prozent verpflichtet.“ Um den Klimawandel halbwegs zu begrenzen, sei es erforderlich, den Ausstoß an Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 gegenüber 1990 zu halbieren. Für die Industrieländer bedeute dies sogar eine Reduktion um 70 bis 80 Prozent. Mit alten Rezepten sei das nicht zu schaffen. Ein Großteil der Teilnehmer am Energiegipfel wolle diese unbequeme Wahrheit aber offenbar noch immer nicht begreifen. Die Zwischenberichte der Arbeitsgruppen des Gipfels seien mehr als ernüchternd. Innovationskraft entfalte sich wenig. Ganz im Gegenteil: die Papiere dokumentieren eindrucksvoll die bestehenden  Machtverhältnisse. Sie seien Zeugnisse der extremen Beharrungskräfte der deutschen Industrie, die unverdrossen an ihre Lobbymacht glaube.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel startete im April 2006 mit dem ersten Energiegipfel einen Prozess, der im kommenden Jahr in ein energiepolitisches Gesamtkonzept der Bundesregierung münden soll. Wichtige große deutsche Unternehmen wurden einbezogen. Schon im Vorfeld wurde Kritik an der Zusammensetzung der Gruppe laut. Zu Recht: Die große Mehrheit  der geladenen Mitglieder sind die Hauptklimasünder, die alten etablierten Akteure auf dem Energiemarkt. Der WWF befürchtet, dass sich einmal mehr nicht die Innovationsmotoren durchsetzen, sondern gut organisierte Besitzstandswahrer.  

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