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Eintausend neue Arten entdeckt

15. Dezember 2008

Spektakulärer Erstkontakt: In der Region „Greater Mekong“ entdecken Forscher 1000 neue Tier- und Pflanzenarten. / Einzigartige Öko-Region in Gefahr.

 

In den Jahren 1997 bis 2007 wurden im Einzugsgebiet des unteren Mekongs insgesamt 1000 neue Arten entdeckt. Das berichtet der aktuelle WWF-Report „First Contact in the Greater Mekong“, der zahlreiche Neubeschreibungen erstmalig mit Film- und Fotoaufnahmen präsentiert. Darunter auch 15 Säugetiere, wie etwa die Laotische Felsenratte (Laonastes aenigmamus). Von dem Eichhörnchen-ähnlichen Tier vermutete man bisher, dass es seit 11 Millionen Jahren ausgestorben sei. Bis es von Forschern auf einem Lebensmittelmarkt in Laos wiederentdeckt wurde. Kurz darauf folgte die erste Sichtung in freier Wildbahn. Erstmalig beschrieben wurden auch der Truong-Son-Muntjak, eine bislang unbekannte Hirschart, und das Annamitische Streifenkaninchen (Nesolagus timminsi). Unter den neu beschriebenen Arten finden sich außerdem die weltgrößte Jägerspinne (Heteropoda maxima) und der Zyanid produzierende Drachentausendfüssler (Desmoxytes purpurosea).

 

„Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, in dem Gebiet unterwegs zu sein. Man kann ein bisschen nachempfinden, wie sich die Forscher und Entdecker des 19. Jahrhunderts gefühlt haben müssen“, schwärmt Dr. Petr Obrdlik, WWF-Referent für die Greater Mekong-Region, die sich über Thailand, Myanmar, Vietnam, Laos, Kambodscha und China erstreckt. Insgesamt wurden in den vergangenen zehn Jahren 1068 Arten, darunter 519 Pflanzen, 88 Spinnen, 279 Fische, 91 Amphibien (davon 88 Frösche), 72 Reptilien (davon 22 Schlangen), vier Vögel und 15 Säugetiere erstmalig beschrieben. „Bislang gingen wir davon aus, dass ein solch unglaubliches Maß an Neuentdeckungen nicht mehr möglich ist. Die Biodiversität der Region ist enorm“, sagt Stuart Chapman, WWF-Direktor des Greater Mekong Programms.  

 

„Wir können nur erahnen wie viele Tiere und Pflanzen noch darauf warten, entdeckt zu werden. Doch wir laufen Gefahr, dass zahlreiche Arten verschwinden, bevor sie überhaupt beschrieben wurden“, warnt WWF-Referent Obrdlik. So hat etwa die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) den Anrainerstaaten am unteren Mekong ein enormes wirtschaftliches Potential bescheinigt - verbunden mit einem erheblichen Bevölkerungswachstum. Bereits heute gilt das Sechs-Länder-Eck nicht nur bei Ökologen, sondern auch bei Ökonomen als eine der „letzten Grenzen“. Nach WWF-Angaben mussten in Südostasien seit 1990 jährlich 2,7 Millionen Hektar Dschungel den Monokulturen riesiger Plantagen weichen, in denen Kakao, Kaffee, Tee, Cashew-Nüsse oder Kautschuk angebaut werden. Außerdem sollen rund 150 große Wasserkraftwerke am Mekong entstehen. Bereits heute sind 70 Prozent der endemischen Säugetierarten auf der Roten Liste der IUCN, darunter der Indochinesische Tiger, das Java-Nashorn oder der Asiatische Elefant. Auch das Maß der Überfischung ist nach WWF-Angaben besorgniserregend. Die Umweltstiftung fordert ein grenzübergreifendes Engagement für den Schutz des einmaligen Ökosystems. Ziel ist es, ein 600.000 km² großes Gebiet unter Schutz zu stellen.

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