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Erstes Opfer im Elefantenwald

26. April 2006

WWF in Indonesien bittet die Internetnutzer weltweit eindringlich um Mithilfe bei seiner aktuellen E-Mail-Aktion gegen die Abholzung der Regenwälder

 

Frankfurt, 26. April 2006-Der erste von zehn Waldelefanten, die vor Wochen von Mitarbeitern der Forstbehörde in Ketten gelegt wurden und seither ohne ausreichende Versorgung im Regenwald der indonesischen Insel Sumatra vor sich hin vegetieren, ist verendet. Der WWF schätzt, dass auch seine Leidensgenossen die Strapazen nicht mehr lange überleben werden. Angesichts dieses aktuellen Elefanten-Dramas, das sich seit Anfang März in der Provinz Riau abspielt, ruft der WWF weiterhin weltweit zu einer E-Mail-Aktion an den indonesischen Präsidenten auf: Ziel der Aktion ist es, die Abholzung der letzten Regenwälder auf Sumatra sofort zu stoppen und somit die Heimat und das Leben der letzten Waldelefanten zu retten.

 

 

 

Bislang haben sich seit dem Start vor gut zwei Wochen rund 15.500 Menschen an der Aktion beteiligt - doch das reicht nach Ansicht des WWF nicht aus, um das Schicksal der Waldelefanten noch zu beeinflussen. Der indonesische WWF richtete deshalb einen eindringlichen Hilferuf an die Kollegen in Deutschland und in anderen Ländern: Die Internetnutzer sollen bis zum 1. Mai unter www.wwf.de/elefantenaktion E-Mails an den indonesischen Präsidenten versenden. Darin wird die Regierung aufgefordert, die weitere Vernichtung der Wälder durch illegalen Holzeinschlag und durch die Umwandlung in riesige Plantagen für die Produktion von Holz, Zellstoff und Palmöl zu verhindern. Stattdessen sollen zusätzliche Nationalparks und Wildreservate ausgewiesen werden, in denen die Elefanten und andere Bewohner des Dschungels unbehelligt leben können. Nur so werde verhindert, dass sich das Drama um die Elefanten wiederholt.

 

 

 

Zurzeit verhandelt der WWF mit der Forst- und der Naturschutzbehörde darüber, die übrigen neun Elefanten in einem geeigneten Waldstück freizulassen. Ob sie diese Rettungsaktion gesund überstehen, ist laut Markus Radday, WWF-Waldexperte, allerdings äußerst fraglich: 'Nur fünf Tiere sind überhaupt transportfähig, die anderen sind viel zu schwach, um das Wagnis einzugehen.' Seit Wochen hält das Schicksal der zehn Waldelefanten den WWF in Atem: Sie gehören zu einer Herde wild lebender Elefanten, die zuvor auf der Suche nach Nahrung durch Siedlungen und Plantagen gewütet war und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt hatte. Bereits Anfang März waren sechs Elefanten, darunter ein Kalb, vergiftet aufgefunden worden. Offensichtlich hatte jemand versucht, sich die 'Eindringlinge' vom Leib zu halten.

 

 

 

Dabei sind die Tiere nach Ansicht von Markus Radday nur die unschuldigen Opfer des jahrzehntelangen rigorosen Kahlschlags im indonesischen Urwald: 'Die Holz- und Palmölindustrie frisst sich immer weiter in den Dschungel vor. Von der einstigen Heimat der Elefanten sind nur noch winzige Wald-Inseln übrig geblieben, sodass der Platz knapp wird und sich Menschen und Tiere gegenseitig Konkurrenz machen.' Nach Angaben des WWF ist die Zahl der Waldelefanten in der Provinz Riau in den letzten sieben Jahren um die Hälfte auf nur noch etwa 350 bis 400 Tiere gesunken. Schuld sind der Raubbau der Regenwälder und die daraus resultierenden Konflikte zwischen Menschen und Tieren.

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