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EU importiert illegales Holz

21. Juli 2008

Fast ein Fünftel des eingeführten Holzes ist illegal - Deutschland auf Rang 3 der Käuferstaaten

 

Frankfurt - Illegal geschlagenes Holz landet in großen Mengen in der Europäischen Union. Zu diesem Schluss kommt der WWF nach einer Analyse der EU-Außenhandelsdaten von 2006. Fast ein Fünftel des in die EU importierten Holzes, mindestens 26,5 Millionen Kubikmeter, wurde nach Berechnungen der Naturschützer unter Missachtung geltender Gesetze gefällt und gehandelt. Die mit Abstand größte Menge, 10,4 Millionen Kubikmeter im Wert von mindestens 120 Millionen Euro, stammte aus Russland. Weitere wichtige Herkunftsländer sind Indonesien und China. Mit einem Anteil von zehn Prozent steht Deutschland nach Finnland und Großbritannien auf Platz 3 der Hauptabnehmerländer für das Raubbau-Holz.  

 

Johannes Zahnen, WWF-Waldexperte: „Es handelt sich schlicht um Hehlerware, für die riesige Urwälder vernichtet wird. Wenn diese Geschäftemacherei auf Kosten der Natur endlich unter Strafe gestellt würde, könnten wir den Markt für solche Produkte in der gesamten EU austrocknen.“ Die Verbraucher ahnten meist nicht, dass sie mit dem Kauf von Parkett oder Tischen die weltweite Holzmafia unterstützen. „Konsumenten können nicht erkennen, ob für ihren Wunschartikel illegal Wald vernichtet wurde. Die Unternehmen lassen die Kunden mit dem Problem allein und profitieren davon, dass der Handel mit illegalem Holz nicht bestraft wird.“    

 

Der WWF fordert seit langem ein Gesetz, das den illegalen Holzhandel verbietet und den Unternehmen eine Nachweispflicht auferlegt – wie im Lebensmittelbereich schon lange üblich. Die EU diskutiert seit 2003 über mögliche Aktivitäten (so genannter FLEGT-Prozess). Andernorts ist man da schon erheblich weiter: Die Schweiz bereitet derzeit eine Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte vor, in den USA wurde im Juni ein Gesetz verabschiedet, das den Import und den Handel mit illegalem Holz verbietet und eine Deklaration der Holzart und Herkunft vorschreibt. Der WWF hofft nun, dass die EU diesen Beispielen folgt und ein eigenes Gesetz entwirft. Laut Kommission soll im September darüber beraten werden.  

 

Bislang sind die Aktionen der EU gegen illegales Holz aus WWF-Sicht lückenhaft. So wurden zwar Abkommen zwischen Produzenten- und Käuferländern abgeschlossen, doch gerade mit den Staaten, aus denen das meiste illegale Holz stammt – wie China und Russland – , gibt es diese nicht. Außerdem werden viele Produkte nicht erfasst. „Kommt kein vernünftiges Gesetz, werden trotz des bisherigen Aktionsplans über 90 Prozent des illegalen Holzes weiter in die EU fließen“, kritisiert WWF-Waldexpertin Nina Grieshammer, die die aktuelle WWF-Analyse betreut hat.

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