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EU lässt Treibnetze wieder zu

22. November 2006

WWF: Zulassung so genannter "Schwebenetze" ein Etikettenschwindel

 

Hamburg/Brüssel, 22. November 2006: Die EU Fischereiminister haben heute auf Druck von Frankreich und Italien beschlossen, die seit Jahren verbotenen Treibnetze für die Jagd auf Schwertfische und die stark gefährdeten Roten Tunfische im Mittelmeer wieder zuzulassen. Die Netze laufen offiziell zwar unter der Bezeichnung "Schwebenetze". Sie sind aber nach Angaben des WWF nichts anderes als mit Ankern versehene Treibnetze.

 

WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper: "Diese Entscheidung ist ein Skandal und ein weiterer trauriger Rückschritt der europäischen Fischereipolitik. Treibnetze können bis zu sechs Kilometer lang sein und treiben wie nahezu unsichtbare Gardinen im Wasser. Dadurch gefährden sie Delfine, Haie und andere Meeresbewohner. Die Tiere verfangen sich in den Netzen und sterben einen qualvollen Tod." Die Treibnetzfischerei im Mittelmeer war aus diesem Grund bereits 2002 von der EU verboten worden.

 

Die heutige Entscheidung sei ein Skandal, so der WWF. Der WWF weist darauf hin, dass der Abbau der Treibnetzfischerei in der Vergangenheit innerhalb der EU subventioniert wurde. "Es ist einfach unverschämt, dass sich die Nutznießer dieser Subventionen durch die Hintertür wieder für die Treibnetzfischerei stark machen", so Vesper.

 

Nach Ansicht des WWF verschleiern die Schwebenetze den Charakter herkömmlicher Treibnetze. Schwebenetze seien zwar mit einem Anker versehen, würden allerdings bis zur Wasseroberfläche auftreiben - dieser "Gardinen-Effekt" mache für die vom Beifang bedrohten Haie, Delfine und Meeresschildkröten keinen Unterschied.

 

Zudem ignoriere die EU mit dieser Entscheidung den alarmierenden Einbruch der Tunfischbestände im Mittelmeer. Der WWF hatte kürzlich in einer Studie gezeigt, dass die tatsächlichen Fangmengen 40 Prozent über den offiziellen Quoten liegen. In den Gewässern um die Balearen sind die Fangmengen seit 1995 um 85 Prozent gefallen. Konnten spanische und französische Fischer damals noch 14.699 Tonnen anlanden, waren es in dieser Saison nur noch 2.270 Tonnen. "Die EU setzt alles daran, dem Tunfisch endgültig den Garaus zumachen und den kleinen Fischern die Lebensgrundlage zu entziehen", so Vesper.

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