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EU versagt beim Urwaldschutz

17. Oktober 2008

WWF kritisiert wachsweiches „Waldpaket“ und warnt vor Folgen für das Weltklima

 

Als völlig unzureichend kritisiert die Umweltstiftung WWF den heute vorgelegten Gesetzentwurf der EU-Kommission zur Bekämpfung des Imports und Handels mit illegal geschlagenem Holz. Die in dem Entwurf angestrebten Regelungen sind aus Sicht des WWF viel zu schwach und unkonkret, um dem ursprünglichen Ziel gerecht zu werden: den europäischen Beitrag zur illegalen Abholzung von Urwäldern beispielsweise im Amazonas oder in Indonesien zu mindern. Weder werden die Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft zu einem Nachweis über die Verwendung von Holz aus legaler Herkunft verpflichtet. Noch werden einheitliche Standards für legal und illegal geschlagenes Holz definiert.

 

Schätzungen zufolge stammt die Hälfte der Tropenholzimporte in die EU – jährlich über 27 Millionen Kubikmeter - aus illegalem Holzeinschlag und Handel. Illegale Rodungen sind einer der größten Ursachen der weltweiten Waldzerstörung, die wiederum 20 Prozent der für den Klimawandel verantwortlichen Treibhausgas-Emissionen verursacht.

 

Mit dem Entwurf verpasst es die Europäische Union aus Sicht des WWF, den ambitionierten Absichtserklärungen zum globalen Waldschutz Taten folgen zu lassen. Bezeichnenderweise hat die Kommission ebenfalls heute erklärt, dass sie nur eine Halbierung der weltweiten Entwaldungsraten bis 2020 anstrebt. Auf der Biodiversitätskonferenz im Mai in Bonn hatten sich Regierungsvertreter von 60 Staaten – darunter Minister mehrerer EU-Staaten wie Großbritannien und Deutschland sowie der EU-Umweltkommissar Stavros Dimas – noch schriftlich dazu bekannt, die Entwaldung bis 2020 stoppen zu wollen.

 

„Grundsätzlich ist es positiv, dass sich die EU-Kommission endlich des für den Klima- und Naturschutz so bedeutsamen Themas Waldzerstörung annimmt, allein die Pläne für die Umsetzung enttäuschen uns maßlos“, so WWF Waldexpertin Nina Griesshammer. „Die heute vorgelegte Regelungen wären, sollten sie Gesetz werden, nicht mehr als ein Papiertiger, der kaum einen Baum vor der illegalen Abholzung schützen würde“.

 

Der WWF fordert das Parlament und den Ministerrat der Europäischen Union daher mit Nachdruck auf, den Entwurf der Kommission entscheidend zu verbessern und dann schnellstens zu verabschieden. Nur so kann der Handel mit illegalem Holz- und Papierprodukten effektiv bekämpft werden. Zudem ruft der WWF dazu auf, am Ziel festzuhalten, den globalen Raubbau an Wäldern bis 2020 zu stoppen.

 

Besonders die Bundesregierung steht dabei in der Pflicht. Sie hatte eine entsprechende nationale Gesetzesinitiative  – das so genannte  „Urwaldschutzgesetz“ – mit dem Hinweis auf eine anstehende europäische Regelung mehrfach ausgebremst.

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