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Europas Fisch bald nur noch ein Mythos?

12. Juli 2011

Neuer WWF-Report beleuchtet Mythen und Fakten über die Gemeinsame Fischereipolitik (GFP) / Reformentwurf der EU-Kommission wird Mittwoch veröffentlicht

 

Hamburg - Wie schlimm steht es wirklich um die Fischerei und Meere Europas? Werden die Einschnitte durch die Fischereireform Arbeitsplätze  in der Fischereiindustrie vernichten? Zahlt der Steuerzahler trotz akuter Überfischung weiter für eine Aufrüstung der Fischereiflotte? Der heute veröffentlichte WWF Report „Mythen und Fakten über die GFP“ gibt Antworten auf drängende Fragen zur Reform der Gemeinsamen Fischereipolitik Europa und betont die Notwendigkeit eines kräftigen Kurswechsels. Am morgigen Mittwoch stellt die EU-Kommission in Brüssel ihren Entwurf für weitere zehn Jahre EU-Fischereipolitik vor.  

 

„Es ist ein Mythos, dass sich die Situation der Fische bessert. Aber es ist ein Fakt, dass es ohne Fisch keine Zukunft für Europas Fischer geben wird“, sagt Karoline Schacht, Expertin für EU-Fischereipolitik. „Diese Reform muss der Überfischung und skandalösen Fischverschwendung jetzt ein Ende setzen.“  

 

Derzeit sind drei von vier der untersuchten Fischbestände in Europa überfischt, die Fischfangflotte ist zwei bis drei Mal größer, als für eine nachhaltige Fischerei verträglich wäre, und zwischen 1998 und 2008 sind die in den europäischen Häfen angelandeten Fänge um 30 Prozent zurückgegangen. Die Verschwendung von Fisch ist im derzeitigen System vorprogrammiert: Die Politik vereinbart Höchstfangmengen, kontrolliert aber nicht auf See, was dem Meer entnommen wird, sondern erst das, was die Fischer im Hafen als Fang anlanden. Bis zu 60 Prozent der Fänge werden jedoch unregistriert wie „Müll“ ins Meer zurückgeworfen. Der WWF fordert daher wissenschaftsbasierte  Fangquoten  und deren Kontrolle bereits an Bord durch Kameras oder Beobachter. Auch selektivere Fangtechniken und ein Aussetzen der Fischerei in bestimmten Gebieten etwa zu Laichzeiten müssen nach Einschätzung  der Umweltstiftung in der anstehenden Reform festgeschrieben werden.  

 

Die Zukunft der Fischerei in Europa sieht düster aus, wenn die Fischbestände schwinden, die wirtschaftliche Lage prekär bleibt und die hohe Abhängigkeit von Subventionszahlungen nicht beendet werden kann. Zwischen 1998 und 2007 ging  ein Drittel der Arbeitsplätze in Europas Fangsektor verloren – damals haben die Fischereiminister die wissenschaftlichen Empfehlungen gründlich missachtet und viel höhere Fangmengen erlaubt als die Fischbestände ertrugen. Im Schnitt der letzten fünf Jahre lagen die politisch festgesetzten Quoten noch um 45 Prozent über den Empfehlungen der Wissenschaftler. „Wer systematisch Ressourcen verschwendet, ruiniert die Geschäftsgrundlage – und hat dazu noch die Umweltfolgen geplünderter Meere zu verantworten“, warnt Schacht.  

 

Laut WWF-Report halten versteckte Subventionen im System das Problem der Flottenüberkapazität und damit die Überfischung am Leben. Seit 2004 werden zwar keine öffentlichen Gelder mehr für den Neubau von Fangschiffen eingesetzt. Dennoch gibt es Subventionen für die Verbesserung der Energieeffizienz und anderer Modernisierungen an Bord. So schrumpfte die EU-Flotte zwischen 2007 und 2009 um sieben Prozent, die technologische Aufrüstung konnte damit aber gerade ausgeglichen werden. Energieeffizientere Schiffe bedeuten quasi eine Erhöhung der Fangkapazität, denn sie können weiter und länger fahren und damit mehr fischen. „Flottenabbau und Subventionsstopp gab es nur auf dem Papier“, sagt Karoline Schacht vom WWF. „Der Druck auf die Fischbestände wird durch die Leistungssteigerung der Schiffe und die Treibstoffsubventionen unverändert aufrechterhalten. Es ist die Fortführung des Kollapsprogramms mit bürokratischen Mitteln."

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