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Falsches Spiel mit der Angst

19. Juni 2006

WWF-Studie: Emissionshandel gefährdet weder Jobs noch Wettbewerbsfähigkeit

 

Brüssel/Berlin, 19.06.2006: Die Behauptungen von Industrieverbänden, der Europäische Emissionshandel (ETS) sei Gift für die Wettbewerbsfähigkeit und ein Jobkiller, entbehren belastbarer Grundlagen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag des WWF. Der Report analysiert alle Studien und Modelle, die sich mit Auswirkungen des ETS auf die Wettbewerbsfähigkeit und den Arbeitsmarkt in Europa beschäftigen. 'Die Panikmache basiert auf Fehlinformationen”, so Matthias Kopp, WWF-Projektleiter für den Finanz- und Energiesektor. 'Die Industrie malt apokalyptische Bilder. Aus einem soliden Emissionshandel lässt sich keine signifikante Bedrohung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit ableiten.'

 

 

 

Das Europäische Emissionshandelssystem trat 2005 in Kraft. Er spielt die zentrale Rolle bei dem durch das Kioto-Protokoll vorgegebenen Ziel, die Treibhausgasemissionen in der EU zwischen 2008 and 2012 um acht Prozent zu reduzieren. Der Handel mit Kohlendioxidemissionen (CO2) betrifft ungefähr 12.000 Anlagen und nahezu die Hälfte der EU-weiten CO2-Emissionen. Die EU gibt mit dem ETS den strukturellen Rahmen für die Zuteilung und die nationalen Höchstgrenzen der Verschmutzungsrechte der Mitgliedsländer vor. Viele Industrien fordern mehr Verschmutzungsrechte. Gäbe die Politik dieser Forderung nach, so der WWF, würde Europa jedoch klar die Kioto-Ziele verfehlen.

 

 

 

Der Emissionshandel ist laut der Studie die wirtschaftsfreundlichste Option, um die Kioto-Ziele zu erreichen. Es müsse klar berücksichtigt werden, dass diese Ziele die Referenzgrößen für alle Alternativregulierungen sind, denn Europa hat sich rechtsverbindlich zu den Kioto-Zielen bekannt. Verglichen mit Steuern oder anderen Steuerungsmechanismen sei ein ETS ganz klar vorzuziehen und zudem kostengünstiger, als wenn die Industrie ihre Ziele ohne die Flexibilität eines Marktes für Abgasrechte erreichen müsste. Entgegen gängiger Vorurteile aus der Wirtschaft könne das Geschäft mit den Verschmutzungsrechten die Wettbewerbsfähigkeit sogar positiv beeinflussen. 'Der Emissionshandel ist der Königsweg im Kampf gegen den Klimawandel', betont WWF-Experte Kopp.

 

 

 

Schon in einem früheren Report hatte der WWF gezeigt, dass der Handel allein in Deutschland zu einem Kostenvorteil zwischen 230 and 545 Millionen Euro führen kann. Die aktuelle Studie zeigt, dass der

 

Emissionshandel zu keinem signifikanten Rückgang an Arbeitsplätzen führen wird-selbst im Vergleich mit Szenarien ohne EU-Gesetze zum Klimaschutz. Folgerichtig bewertet das ZEW den Abgashandel als ökonomisch sinnvolles Instrument und entkräftet die Job-Warnungen der Industrie. 'Ein wirkungsvoll gestaltetes ETS ist allen alternativen Instrumenten überlegen und wirkt sich selbst im ungünstigsten Fall nur sehr begrenzt auf Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit aus', fügt Kopp hinzu. 'Wir bekommen mit dem Emissionshandel zwei großartige Effekte zum kleinen Preis: Drastische Reduktionen beim Kohlendioxid und Strukturwandel in der Industrie, um Europa fit zu machen für eine CO2-freie Zukunft.'

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