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Feueralarm im Orang Utan-Wald

25. Oktober 2006

WWF: In Indonesien wüten seit Wochen verheerende Waldbrände, auch seltene Tiere sind durch die Flammen akut bedroht.

 

Frankfurt, 25. Oktober 2006:Schon seit Wochen stehen weite Teile der indonesischen Inseln Sumatra und Borneo in Flammen und liegen unter einer gesundheitsgefährdenden Rauchwolke. Nach neuesten WWF-Erkenntnissen, die auf Satellitenbildern beruhen, bedrohen die Waldbrände nun auch die vom Aussterben bedrohten Borneo Orang Utans im Nationalpark Sebangau und die Sumatra-Elefanten im Nationalpark von Tesso Nilo. Die Feuer vernichten ihre Nahrungsgrundlagen und vertreiben die Tiere aus ihrem natürlichen Lebensraum. WWF-Tropenwaldexperte Markus Radday kehrte erst vor zwei Wochen aus Borneo zurück: „Wir befürchten, dass in Indonesien derzeit die schlimmsten Waldbrände seit dem verheerenden El Nino-Jahr 1997/98 wüten.“ Viele dieser Brände wurden seiner Ansicht nach absichtlich gelegt, um die ursprünglichen Wälder in landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Ölpalmen oder für die Zellstoffproduktion umzuwandeln.

 

Besonders prekär sei die Lage auf Sumatra: Da hier in den tieferen Lagen kaum noch Regenwälder zu finden sind, greifen immer mehr Plantagenbetreiber bei der Suche nach neuen Flächen sogar auf die allerletzten Waldreserven, so genannte Torfmoorwälder, zurück. Deren Torfschichten können bis zu mehrere Meter dick sein und erzeugen im Falle eines Waldbrands einen gesundheitsschädlichen Rauch. Zudem sind  diese Wälder  riesige natürliche Kohlenstoffspeicher, die bei Bränden Millionen Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid freisetzen.

 

Die von den Waldbränden am stärksten betroffenen Wälder sind seit Jahrzehnten durch illegale Holzfällerei und Brandrodung bedroht und verschwinden seither wie im Zeitraffer. Die Industrien für Holz, Papier und Palmöl degradieren den einst flächendeckenden Urwald zu wenigen kleinen Wald-Inseln. Markus Radday befürchtet, dass sich die Lage durch die Feuer weiter verschärft und es verstärkt zu Zusammenstößen zwischen den hier lebenden Menschen und den in die Enge getriebenen Tieren kommen wird. „Elefanten und Orang Utans sind die unschuldigen Opfer der rigorosen Urwaldzerstörung in Indonesien. Der Mensch macht ihnen seit Jahrzehnten den Platz streitig. Wer dem Raubbau und dem skrupellosen Vordringen des Menschen bislang standgehalten hat, wird jetzt möglicherweise in den Flammen sterben“, so Markus Radday. Oder die Tiere ereilt ein anderes tragisches Schicksal: Ergreifen zum Beispiel die Elefanten die Flucht vor den Flammen, dringen sie auf der Suche nach Schutz und Nahrung unfreiwillig immer weiter in von Menschen besiedelte Gebiete und in deren Felder vor und verursachen dort gravierende Schäden. Um sich die „Störenfriede“ vom Leib zu halten, greifen die Bewohner mitunter zu drastischen Mitteln. Erst im Frühjahr hatte der WWF im Gebiet Tesso Nilo auf Sumatra eine grausige Entdeckung gemacht: Damals waren mehrere Elefanten vergiftet aufgefunden worden.

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