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Fisch ist kein Müll

03. November 2008

WWF protestiert mit Unterwasser-Aktion gegen Beifang.

Nordsee-Studie: Pro Jahr wird eine Million Tonnen Fisch über Bord geworfen.

 

Der Wal windet sich im Todeskampf im Fischernetz. Verzweifelt versucht die Meeresschildkröte, sich aus dem Netz zu befreien. Auch ein Fisch kann nicht mehr entkommen. Sie sind Beifang-Opfer in der Fischerei, wirtschaftlich nutzloser Müll. Diese Szenen spielen sich ausnahmsweise nicht im Meer, sondern bei einer Unterwasser-Performance im Berliner Stadtbad Schöneberg ab. Gemeinsam mit dem WWF protestieren Taucher und Künstler gegen den Beifang in der Fischerei und fordern ein schrittweises Verbot der Wegwerf-Praxis in der EU. Denn Beifang ist eine der Hauptursachen für die Plünderung der Ozeane.

 

„Beifang ist unsichtbar. Das Drama spielt sich weit draußen auf dem Meer ab. Mit den starken Bildern unserer Unterwasser-Aktion machen wir den täglichen Fischerei-Wahnsinn sichtbar“, so WWF-Expertin Karoline Schacht. Jahr für Jahr fallen den rücksichtslosen Fangmethoden der globalen Fischindustrie mehrere Millionen Haie und 250.000 Meeresschildkröten zum Opfer. „Beifang ist eine unglaubliche Verschwendung und eine der größten Bedrohungen für viele Meerestiere“, erläutert Schacht.

 

Ein neuer WWF-Bericht zeigt, dass die Verschwendung in der Nordsee besonders alarmierend ist. Pro Jahr wird ein Drittel des Fangs als Müll über Bord geworfen. Das sind eine Million Tonnen Fisch und andere Meerestiere. So werden für jedes Kilo Seezunge in der Fischtheke bis zu sechs Kilo Meerestiere entsorgt, für jedes Kilo Norwegischen Hummer (Scampi) bis zu fünf Kilo. Meist handelt es sich dabei um Fische, die zu klein sind oder für die die Fischer keine Fangquote haben. So werden die Fischbestände unnötig geplündert, zudem entstehen enorme wirtschaftliche Schäden.

 

Wie absurd die Wegwerf-Praxis ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Schottland. Obwohl die Fangquote längst ausgeschöpft ist, gehen den Fischern, die mehrere Arten zugleich fangen, immer noch Kabeljaue ins Netz. Die marktfähigen Fische werden jedoch wieder über Bord geworfen. So wurde in den letzten Monaten Fisch im Wert von 60 Millionen Euro sinnlos vergeudet und der Kabeljaubestand geschwächt.

 

Der WWF fordert die Bundesregierung auf, sich in Brüssel für ein europaweites Wegwerf-Verbot und ein Beifang-Aktionspaket stark zu machen. In Zukunft soll jeder gefangene Fisch mit an Land gebracht und mit den Fangquoten verrechnet werden. „Die unsichtbare Verschwendung muss ein Ende haben“, so Schacht. Zugleich müssen die Fischer verpflichtet werden, bessere Fangtechniken einzusetzen. So kann der Beifang in einigen Fischereien um bis zu 90 Prozent reduziert werden.

 

Eine von der EU-Kommission angekündigte Gesetzesinitiative gegen die Wegwerf-Praxis ist erst kürzlich von der mächtigen Fischereilobby einiger Mitgliedsländer torpediert worden, berichtet der WWF. „Das ist ein handfester Skandal“, kritisiert Karoline Schacht. Hinter verschlossenen Türen werde versucht, eine nachhaltige Fischerei zu verhindern. Dabei sind in den EU-Gewässern bereits 88 Prozent der Fischbestände bedroht.

 

An der WWF-Aktion beteiligte sich auch Unterwasser-Model Nadine Werner. Sie wurde von der mehrfachen deutschen Rekordhalterin im Apnoe-Tauchen (Tauchen ohne Sauerstoffflasche), Anna von Bötticher sowie weiteren Mitgliedern der deutschen Apnoe-Nationalmannschaft unterstützt. Professionelle Bodypainter wie der die Welmeisterin Bella Volen und Vize-Europameister Mike Shane hatten die Taucher zuvor als Meerestiere in Szene gesetzt. Bei der Performance führte der Kölner Unterwasserkünstler Klaus Behnisch Regie.

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