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Flussmündungen Europas - zukunftsfähig für Mensch und Natur?

01. Oktober 2009

Behörde für Stadtentwicklung und WWF präsentieren auf internationaler Tagung Konzepte für integrierte Nutzung und Schutz von Ästuar-Regionen

 

Der integrierten Entwicklung von Flussmündungsregionen kommt angesichts ihrer Ausweisung als Naturschutzgebiete, ihrer steigenden Nutzung als Schifffahrtsstraßen und der Folgen des Klimawandels eine wachsende Bedeutung zu. Internationale Experten stellen heute auf der erstmals von der Umweltstiftung WWF und der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt veranstalteten Tagung „Ästuar 21“ Lösungsansätze im Konflikt zwischen wirtschaftlicher Nutzung und wirksamem Natur- und Gewässerschutz in Ästuargebieten vor (Ästurare sind Flußmündungsgebiete an Flach- und Gezeitenküsten). Dabei finden die Perspektiven von Behörden, Verbänden und Wirtschaft Beachtung und werden durch Fallbeispiele aus den europäischen Nachbarstaaten ergänzt. Die Entwicklung der großen deutschen Mündungsregionen von Elbe, Weser und Ems kann von Modellen und Maßnahmen, die in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden bereits angewandt werden, profitieren.  

 

„Wir können von unseren europäischen Nachbarn lernen, dass es Möglichkeiten gibt, Natur- und Hochwasserschutz miteinander zu verbinden und dass Hafenbetreiber und Naturschützer in der Lage sind, gemeinsame Visionen für eine Flussmündung zu entwickeln“, sagt Beatrice Claus, WWF-Expertin für Ästuare. Entscheidend für den Erfolg sei dabei die Bereitstellung von ausreichenden Flächen und finanziellen Mitteln sowie eine frühzeitige Einbindung der Menschen in der Region, um sozialverträgliche Nutzungskonzepte zu entwickeln. Aus ökologischer Sicht besteht bereits heute dringend Renaturierungsbedarf, um charakteristische Lebensräume wie Flachwasserzonen, durchströmte Seitenarme, Sandbänke und Auwälder und die dazugehörigen Lebensgemeinschaften zu bewahren. „Wirksamer Naturschutz an Flussmündungen benötigt große Flächen, denen dann auch in Hochwasserschutzkonzepten eine tragende Rolle zukommt“, sagt Beatrice Claus, „Rückdeichungen verbessern den Hochwasserschutz nachhaltig und sind unter Umständen sogar kostengünstiger als Deicherhöhungen.“

 

„Angesichts der komplexen Nutzungsansprüche ist eine gemeinsame Perspektive für die Ästuarentwicklung der Elbe erforderlich, die wirtschaftliche Nutzung, Hochwasser-, Gewässer- und Naturschutz miteinander verbindet“, sagt Dorothea Derksen von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Hamburg arbeitet zur Zeit gemeinsam mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen an der Aufstellung eines integrierten Bewirtschaftungsplans für das Elbeästuar zur Umsetzung der FFH-Richtlinie und innerhalb der Flußgebietsgemeinschaft Elbe am Bewirtschaftungsplan für das Elbe-Einzugsgebiet. „Auch die europäischen Nachbarn können von uns lernen: Wir haben den Wärmelast- und Kühlwassermengenplan für die Tideelbe entwickelt und gehen neue Wege bei der Uferunterhaltung an der Wasserstraße.“

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