Content Section

Galiciens brennende Probleme

08. August 2006

Mangelnde Prävention durch Strafverfolgung führt zu Waldbränden im Mittelmeerraum

 

Frankfurt, 8. August 2006: Wie in den Jahren zuvor zeigt auch dieser Sommer seine Schattenseiten: Im Nordwesten der iberischen Halbinsel wüten erneut heftige Waldbrände. Nach Einschätzung des WWF in Spanien beläuft sich die Schadenssumme schon jetzt auf ungefähr 500 Millionen Euro. Allein in der Region Galicien seien in diesem Jahr bislang 10.500 Feuer entdeckt worden. Sie vernichteten bereits eine Fläche von rund 42.000 Hektar Wald. Mehr als 80 Prozent der Feuer dürften auf vorsätzliche Brandstiftung zurückzuführen sein, schätzt Félix Romero, Leiter des Forstprogramms beim WWF Spanien.

 

"Die Behörden versagen bei der Vermeidung der Waldbrände auf ganzer Linie, denn kaum ein Feuerteufel wird zur Verantwortung gezogen. Die Brandstifter wissen, dass sie ungeschoren davon gekommen, und nehmen das Risiko erwischt zu werden bewusst in Kauf", klagt Nina Griesshammer, Waldexpertin des WWF Deutschland. Nach Ansicht des WWF könnten viele Brände verhindert werden, wenn die - bewusste oder fahrlässige - Brandstiftung stärker als bisher bekämpft würde. Bislang seien die zu erwartenden Strafen und Bußgelder jedoch sehr gering, sodass Brandstiftung noch immer als Bagatelldelikt angesehen wird. Es reiche nicht, allein auf die aufwändige und kostspielige Bekämpfung der alljährlichen Waldbrände zu setzen. Stattdessen müssten die Feuer von vornherein vermieden werden, und dies funktioniere vor allem durch Aufklärung und eine konsequente Strafverfolgung. "Polizei, Justiz und letztlich die Bevölkerung müssen das Bewusstsein dafür entwickeln, dass es sich bei Brandstiftung um ein Verbrechen handelt. Nur so können die alljährlichen Feuersbrünste bereits im Keim erstickt werden", fordert Félix Romero.

 

Auch wenn in der Region Galicien immerhin 73 Prozent der Feuer gelöscht werden, bevor sie eine Fläche von einem Hektar erfasst haben, ist es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, die Gesamtzahl der Feuer und die verbrannte Fläche deutlich zu reduzieren. Jedes Jahr werden die Mittelmeerländer von rund 50.000 Feuern heimgesucht, denen nach Angaben der FAO aus 2006 etwa 800.000 Hektar Wald zum Opfer fallen - das entspricht der Fläche Korsikas. Statistiken belegen, dass die Intensität der Waldbrände in den vergangenen hundert Jahren deutlich gestiegen ist. "Die Wälder in Südeuropa brennen wie Zunder", sagt Nina Griesshammer und führt dies auf die zusätzlichen Stressfaktoren zurück, denen die Wälder mittlerweile ausgesetzt sind. Dazu zählen vor allem im Mittelmeerraum: Wassermangel bis hin zu Dürren und extreme Wetterlagen mit lang anhaltenden hohen Temperaturen.

  • Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Pinterest
  • drucken