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Gefährlicher Goldrausch in der Tiefsee

24. Juli 2006

WWF kritisiert geplante Ausbeutung der Manganknollen im Pazifik

 

Hamburg, 24.07.2006: Der WWF sieht in der großflächigen Ausbeutung der rohstoffreichen Manganknollen im Pazifik erhebliche ökologische Risiken. Deutschland hatte letzte Woche von der UN-Meeresbodenbehörde die Lizenz zum Abbau der Knollen auf einer Fläche von 75.000 Quadratkilometern zwischen Hawaii und Mexiko erworben. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) wird nun die Nutzung der in 4.000 bis 5.000 Meter Meerestiefe liegenden Knollen vorbereiten. Die wertvollen Knollen enthalten Mangan, Kupfer, Nickel und Kobalt. Angesichts der Preisexplosion am Rohstoffmarkt winkt ein lukratives Geschäft. Auch andere Staaten haben sich bereits ihren Anteil am Manganvorkommen gesichert.

 

 

 

'Da droht ein rücksichtloser Goldrausch', so WWF-Meeresexperte Christian Neumann. 'Deutschland hilft mit, eine Lawine loszutreten, deren ökologische Folgen für die Tiefsee verheerend sein können.' Der WWF fürchtet, in Zukunft könnten im Pazifik großflächig Manganknollen abgebaut werden. 'Eine Zukunft mit tausenden Rodungsmaschinen im Pazifik-das erinnert fatal an den Kahlschlag im Regenwald', so Neumann. Im 'Manganknollengürtel' südlich des Äquators zwischen Mexiko und Hawaii lagern vermutlich zwei Milliarden Tonnen der wertvollen Knollen.

 

 

 

Der Meeresboden der Tiefsee sei bislang kaum erforscht. 'Jede Woche entdecken Forscher in den Ozeanen neue Arten. Wir wissen weniger über die Tiefsee als über den Mond - aber die Pläne für ihre Ausbeutung werden bereits geschmiedet', so Neumann. Da das Ökosystem nicht an Eingriffe gewöhnt sei, wisse niemand, ob sich der Meeresboden überhaupt vom Abbau der Millionen Jahre alten Manganknollen erholen könne. In den pazifischen Manganknollen-Feldern lebt eine erstaunliche Vielfalt von Muscheln, Krebsen, Schwämmen und Anemonen. Untersuchungen in den 90er Jahren haben bereits gezeigt, dass sich nach einem Abbau die ursprünglichen Lebensgemeinschaften nicht wieder entwickeln. Außerdem können die Auswirkungen der entstehenden Sediment-Wolken verheerend sein für das Leben der Tiefsee.

 

 

 

Allein auf der von Deutschland erworbenen Fläche lagern laut Schätzungen bis zu 24 Millionen Tonnen Buntmetalle. Angesichts von Rohstoffpreisen von beispielsweise 20.000 Dollar für eine Tonne Nickel winkt ein Milliardengeschäft. Deutschland hat für die Zugriffsrechte lediglich 250.000 US-Dollar gezahlt. 'Da wird der Ozean zu Schleuderpreisen verschachert', so der WWF.

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