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Gewinner und Verlierer im Wald

19. März 2007

WWF über die Auswirkungen veränderter Wetterbedingungen auf die deutschen Wälder

 

Zum Tag des Waldes am 21. März:

 

19. März 2007 - Der Frühling macht seinem Namen in diesem Jahr alle Ehre: Die ungewöhnlichen Wetterverhältnisse und hohen Temperaturen der vergangenen Monate führten dazu, dass er sich schon weit vor dem kalendarischen Frühlingsbeginn in Gestalt von blühenden Mandel- und Haselnussbäumen oder umher fliegenden Bienen und Marienkäfern bemerkbar machte. Nach Ansicht von WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer haben langlebige Organismen wie Bäume zwar eine relativ hohe Anpassungsfähigkeit gegenüber veränderten Umweltbedingungen. Doch sie fordert die Forstwirtschaft dazu auf, sich schon frühzeitig auf die möglichen Auswirkungen auf die Wälder als Ganzes einzustellen: „Wenn der Trend zu veränderten Wetterbedingungen anhält, wird sich dies auf die Zusammensetzung der Baumarten und damit auf das Ökosystem Wald auswirken. Deshalb sollten die Förster nicht aus reiner und kurzsichtiger Gewinnmaximierung weiterhin an den hierzulande weit verbreiteten und ökologisch wertlosen Reinbeständen aus Fichten und Kiefern festhalten.“ Der WWF weist darauf hin, dass nur noch 2,3 Prozent der rund zehn Millionen Hektar Wald in Deutschland ökologisch wertvolle Altwälder von mehr als 160 Jahren sind.

 

Die WWF-Expertin für nachhaltige Waldwirtschaft geht davon aus, dass es unter den Bäumen aufgrund der veränderten Umweltbedingungen „Gewinner und Verlierer“ geben wird: So sei damit zu rechnen, dass vor allem die großflächigen Fichtenbestände zurückgehen werden. „Im Fall der Fichte werden sich die natürlichen Verhältnisse wohl wieder einpendeln, denn sie gehört in den Größenordnungen, wie sie seit Jahrzehnten gepflanzt wurde, nicht in den deutschen Wald“, erklärt Nina Griesshammer. Sorge bereitet der Forstwirtin jedoch die in Deutschland heimische Buche, die dauerhafte Bestände bildet und sich weniger gut an schnelle Veränderungen anpassen kann. Frostempfindlichere Bäume wie zum Beispiel Palmen und andere immergrüne Gehölze aus südlichen Breiten oder Parkanlagen wiederum könnten sich weiter ausbreiten. Bei den Nadelbaumarten werde eine stärkere Ausbreitung von Kiefern und Europäischen Lärchen erwartet. So genannte „Pionierbaumarten“ wie Birke und Esche, die von Natur aus darauf spezialisiert sind neue Standorte zu erobern, könnten die sich verändernden Umweltbedingungen auch einigermaßen gut tolerieren.  

 

Nina Griesshammer: „Am besten nimmt man sich die ursprünglichen Prozesse in der Natur zum Vorbild, dann passt sich die Artenzusammensetzung langfristig von selbst an.“ Der Forstwirtschaft, der eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Wälder zukomme, empfiehlt Griesshammer, die deutschen Wälder naturnah nach den Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) zu bewirtschaften. Diese garantierten eine nachhaltige, also umweltgerechte und langfristige, sowie sozial verträgliche und wirtschaftlich tragfähige Nutzung der Wälder.

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