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Glücklicher Fund am Mekong

22. Mai 2007

WWF spürt verloren geglaubte Schildkrötenart in Kambodscha auf

 

Zum Welt-Schildkrötentag am 23. Mai:

 

Frankfurt a. M. - Eine der größten und seltensten Süßwasserschildkrötenarten der Welt ist im Mekong in Kambodscha wiederentdeckt worden. Forscher des WWF und der kambodschanischen Fischereibehörde stießen an einem unberührten Stück des größten Flusses in Südostasien auf mehrere Schildkröteneier, frisch geschlüpfte Tiere sowie ein elf Kilogramm schweres Weibchen der Cantors-Riesen-Weichschildkröte. „Das ist eine wunderbare Entdeckung, mit der niemand mehr gerechnet hat“, sagt Stefan Ziegler, WWF-Experte. „Wir dachten, die Cantors-Riesen-Weichschildkröte sei in Kambodscha so gut wie ausgestorben“. Zuletzt gesichtet worden war die Art 2003 in Kambodscha. In anderen Verbreitungsstaaten wie Laos, Vietnam und Thailand leben vermutlich nur noch einzelne Exemplare.  

 

Anstelle eines festen Panzers besitzen Cantors-Riesen-Weichschildkröten (Pelochelys cantorii) eine gummiartige Haut, die sich über rippenartigen Bögen spannt, um die inneren Organe zu schützen. Als Schutz vor Feinden verbringt die seltene Schildkröte 95 Prozent ihres Lebens versteckt in Sand und Schlamm, wobei nur ihre Nase und ihre Augen herausschauen. Die Tiere können bis zu zwei Metern lang und über 50 Kilo schwer werden. Beachtlich sind ihre langen Krallen und die Blitzgeschwindigkeit, mit der ihr Kopf zum Zubeißen hervorschnellen kann.  

 

„Wie in Südamerika gelten auch in manchen Ländern Asiens Schildkröten und ihre Eier als Delikatesse“, sagt WWF-Experte Ziegler. Während in Mexiko Meeresschildkröten zur Osterzeit gegessen würden, sei die Riesenschildkröte in Vietnam als teure Speise begehrt. Neben dem lebensbedrohlichen menschlichen Appetit haben die Tiere mit weiteren Gefahren zu kämpfen. WWF-Flussexperte Martin Geiger: „Wasserverschmutzung, Dammbau, der hohe Wasserbedarf der Landwirtschaft und die Überfischung bedrohen das ökologische Gleichgewicht des Mekong.“  

 

Der Fundort der Cantors-Riesen-Weichschildkröte war während der Herrschaft der Roten Khmer für Wissenschaftler tabu. Zum ersten Mal seit den späten 1990er Jahren konnten nun Forscher ihre Untersuchungen dort anstellen. Neben der Riesenschildkröte entdeckten sie eine bislang unbekannte Pflanzenart und zahlreiche hoch bedrohte Tiere, darunter den Grünen Pfau (Pavo muticus) und den Haubenlangur, eine Affenart.  

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