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Stand: 04.02.2015

Countdown für das Great Barrier Reef

Australien will trotz allen Widerstandes am Ausbau mehrerer Häfen im Great Barrier Reef festhalten. Doch der Gegenwind für die australische Regierung wird stärker: Wissenschaftler und Umweltverbände laufen Sturm, Banken und Investoren wenden sich ab – und auch von der UNESCO droht Ärger. 

Meeresschildkröte am Great Barrier Reef © Jürgen Freund / WWF-Canon
Meeresschildkröte am Great Barrier Reef © Jürgen Freund / WWF-Canon

Der australische Bundesstaat Queensland hat gewählt. Der große Verlierer: Der bisherige konservative Regierungschef Campbell Newman. Der große Gewinner: Das Great Barrier Reef. Labor und die australischen Grünen haben mit ihrer „pro Reef“-Policy bei der Wahl am 31.1. großen Zuspruch erhalten. Ob es für eine Regierungsbildung reicht, klärt sich in den nächsten Tagen, es hängt wohl an 1-2 Sitzen im Parlament. Es besteht jedoch auch noch die weniger wahrscheinliche Möglichkeit, dass die bisherige, konservative Regierung eine Minderheiten-Regierung bildet.

Am Abend des Wahltags reichte die australische Regierung an das Welterbe-Komitee der UNESCO den geforderten Maßnahmenkatalog (State Party Report) zum Schutz des weltgrößten Korallenriffs der Welt ein. Der Report spiele den Verfall des Riffs herunter, obwohl regierungseigene Wissenschaftler vor dem schlechten Umweltzustand des Great Barrier Riffs warnen. Unter anderem soll es nach wie vor erlaubt sein, Baggerschlamm ins Weltnaturerbegebiet zu kippen. Der WWF fordert die australische Regierung auf, jede Verklappung von Baggergut im Weltnaturerbegebiet zu untersagen. Die jüngsten Regierungspläne sehen ein Verbot jedoch nur auf dem kleineren Gebiet des Great Barrier Riff Marine Parks vor, der unter anderem die Sperrgebiete der Häfen nicht umfasst.

Weltnaturerbe in Gefahr?

Entscheidend für das Riff ist, was 2015 auf der internationalen politischen Bühne passiert – oder eben nicht: Die UNESCO überprüft dieses Jahr, ob die Regierung die geforderten signifikanten Verbesserungen zum Schutz vorgenommen hat - oder ob das Great Barrier Reef den Status Weltnaturerbe „in danger“, also „in Gefahr“, bekommt.

Von der UNESCO-Entscheidung hängt viel ab: wird das Weltnaturerbe als bedroht ausgewiesen, bleibt der australischen Regierung ein Jahr lang Zeit, bevor es von der internationalen Liste der Naturwunder genommen würde. Diese Herabstufung des Riffs würde den Erhalt nicht fördern, sondern im Gegenteil dazu einladen, die Industrialisierung entlang der Küste ungestört weiter zu führen - besonders schmerzhaft für die Bevölkerung vor Ort sowie die Tourismus-Industrie. Obendrein würde sich die australische Regierung international blamieren.

Am 31. Januar reicht die australische Regierung den finalen Report bei der UNESCO ein, beim UNESCO-Meeting in Bonn Ende Juni wird dann über den Status des Weltnaturerbes entschieden.

Was wir wollen

Ziel des WWF ist es, bis dahin alles Mögliche zu tun, um die australische Regierung zu wirklichem Schutz des Riffs zu bewegen. Besonders wichtig: Das Verbot, Baggerschlamm zu verklappen - und zwar im gesamten Weltnaturerbe-Gebiet. Zudem fordern wir verbindliche Mittelzusagen für die Naturschutzarbeit.

Sollte sich die australische Regierung nicht weiter bewegen, werden wir den öffentlichen Druck erhöhen. Auch die UNESCO muss dann bei ihrem Treffen Ende Juni 2015 in Bonn entsprechende Konsequenzen ziehen - und das Welterbe als das bezeichnen, was es ist: in Gefahr. Wir hoffen, dazu muss es nicht kommen…

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