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Stand: 14.05.2014

Die Kohle und das Great Barrier Reef

Am australischen Great Barrier Reef soll einer der größten Kohlehäfen der Welt gebaut werden. Eines der Naturwunder unserer Erde droht dadurch zu sterben. Die Deutsche Bank ist vermutlich an der Finanzierung beteiligt. 

Schon seine Ausmaße sind gewaltig: Das Great Barrier Reef liegt auf über 2300 Kilometern dem australischen Bundesstaates Queensland vorgelagert – 350.000 Quadratkilometer einzigartiger maritimer Lebensraum mit über 900 Inseln und fast 3000 Riffen. Es eines der artenreichsten Ökosysteme der Erde mit über 400 verschiedenen Korallen, Walen, Delfinen, Schildkröten, Dugongs, 1500 Fisch-, 4000 Mollusken- und 240 Vogelarten. Als erstes Meeresgebiet wurde es 1981 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. Der ökologische und ökonomische Wert des Tauchparadieses ist immens.

Die fragile Schönheit aus Korallenriffen, Inseln, Lagunen, Mangroven und Seegraswiesen ist schon heute gefährdet: Der Zustand des Riffs hat sich alarmierend verschlechtert. In den letzten 27 Jahren schwanden die Korallen um die Hälfte, ein Drittel der küstennahen Riffe sind gänzlich zerstört. Verantwortlich dafür ist vor allem schlechtere Wasserqualität durch Nährstoffeintrag, Verschmutzung und Ablagerung von Sedimenten.

Dem Riff droht eine ökologische Katastrophe

Kohle-Export am Gladstone Harbour © WWF Australien
Kohle-Export am Gladstone Harbour © WWF Australien

Nun droht dem Riff eine ökologische Katastrophe: Der Nordostküste Australiens steht eine große Industrialisierungswelle bevor. Abbot Point und fünf weitere Häfen sollen zum verstärkten Export von Kohle ausgebaut werden. Die Umschlagskapazität soll sich bis 2020 verfünffachen. Um die 100 Millionen Kubikmeter Sand und Geröll aus dem Hafenausbau sollen im Welterbe verklappt werden. Laut Analysen wie der des WWF würde dies verheerende Folgen für die Riff-Ökologie haben.

In Australien gibt es inzwischen einen breiten Widerstand gegen die Hafenausbaupläne, unter anderem von Wissenschaftlern, Einwohnern der Region, aus dem Tourismus. Auch NGOs vom WWF über Campact Deutschland bis zu Greenpeace Australien sprechen sich deutlich gegen die Projekte aus. Zumal es auch ökonomisch wenig sinnvoll scheint: Die Region zieht jedes Jahr 700.000 Touristen an. Viele Insel- und Küstengemeinden sind kulturell und finanziell abhängig von einer intakten Meeresumwelt. Allein 60.000 Arbeitsplätze gibt es im Tourismus.

Die Rating-Agentur Moody’s hat für die Unternehmensanleihe zur Finanzierung von Abbot Point das Rating BAA3 vergeben - nur knapp über der Grenze zum „non-investment-Grade“. BlackRock Inc., weltgrößter Fonds-Manager und größter Anteilseigner der Deutschen Bank, hat davon abgeraten, in das Projekt einzusteigen.

Im Geschäft mit dem Riff: Die Deutsche Bank

Trotz der drohenden ökologischen Katastrophe und des zweifelhaften ökonomischen Gewinns hat sich die Deutsche Bank an der ersten Phase des Hafenausbaus von Abbot Point beteiligt. Sie hat in der ersten Projektphase über eine Unternehmensanleihe als eine von drei Banken die Refinanzierung eines Kredits über 500 Millionen australische Dollar (340 Millionen Euro) organisiert. Die zweite Projektphase ist mit der Aufnahme von weiteren 8 bis 10 Milliarden australische Dollar (5,4 bis 6,7 Milliarden Euro) verbunden. Von einer erneuten Unterstützung der Finanzierung durch die Deutsche Bank kann ausgegangen werden.

Gebaut werden soll Abbot Point vom indischen Adani-Konsortium. Mit der Genehmigung sind 47 detaillierte Auflagen an Adani verbunden – Befürworter des Hafenausbaus halten damit die ökologischen Risiken für abgedeckt. Gegner wie der WWF bezweifeln den Wert dieser Auflagen, zumal Adani in Indien wegen Nichteinhaltung von Umweltauflagen bei einem Hafenprojekt im westindischen Gujarat vor Gericht steht.

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