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Stand: 16.09.2014

Great Barrier Reef: Lenkt australische Regierung erstmals ein?

Direkt am Weltnaturerbe Great Barrier Reef will die australische Regierung mehrere Kohlehäfen ausbauen – unter anderem den Hafen Abbot Point zum weltgrößten Exporthafen. Umweltschutzorganisationen wie der WWF laufen dagegen Sturm. Nun scheint ein weiterer Erfolg in Sicht. 

Great Barrier Reef © Welsey Palmer / Getty Images
Great Barrier Reef © Welsey Palmer / Getty Images

Für den geplanten Ausbau der Häfen muss unter anderem der Meeresboden ausgebaggert werden – Sand und Schlick sollen danach ins Gebiet des Weltnaturerbes gekippt werden. Anfang Mai 2014 hat die UNESCO die australische Regierung daher verwarnt und gedroht, das Naturwunder zum „Welterbe in Gefahr“ herabzustufen. Nun hat die australische Regierung reagiert und gemeinsam mit der Regierung des Bundesstaates Queensland einen ersten Entwurf des „Reef 2050 Plan“ veröffentlicht, mit dem beide den Anforderungen der UNESCO gerecht werden wollen.

Der Plan kann nun sechs Wochen lang öffentlich kommentiert werden. Der WWF begrüßt dieses Vorgehen – doch es bleiben viele Fragen offen. Beispielsweise sind die geschilderten Aktivitäten zum Schutz des Great Barrier Reefs nicht mit den nötigen Geldern hinterlegt.

Baggerschlamm ans Land – statt ins Riff?

Auch Schildkröten wären von einer Verklappung im Riff bedroht © Getty Images
Auch Schildkröten wären von einer Verklappung im Riff bedroht © Getty Images

Der Plan sieht auch kein sofortiges Verbot für das derzeit öffentlich diskutierte Verklappen von Baggerschlamm im Weltnaturerbe-Gebiet vor. Die Landesregierung von Queensland sah sich Anfang September genötigt, dem öffentlichen Druck nachzugeben und versprach, sich gegen das Auskippen des Baggerschlamms im Weltnaturerbe-Gebiet einzusetzen. Stattdessen soll der Aushub an Land auf das Hafengelände gekippt werden. Einen konkreten Vorschlag dazu will Campbell Newman, der Premierminister von Queensland, bis Ende September 2014 machen. Auch die Bauherren von Abbot Point – der indische Konzern Adani und GVK – wollen sich gemeinsam mit der australischen Hafenbehörde zu einem Vorgehen für „on-land-dumping“ äußern.

Das Auskippen von Sand und Schlick im Riff bewertet der WWF neben dem Ausbaggern des Meeresbodens als größte Bedrohung des Riffs im Zuge des Hafenausbaus. Die Korallen würden von einer entstehenden „Sediment-Wolke“ bedeckt und damit erstickt. Weiterhin kann es durch das Aufwühlen des Meeresbodens zu einer Versauerung des Meeres und damit des Lebensraums kommen. Der WWF setzt sich daher für ein generelles Verbot für Baggerarbeiten im Welnaturerbe-Gebiet ein.

Absage der Deutschen Bank löst Kette von Erfolgen aus

Aktion vor der Zentrale der Deutschen Bank © Kai Loeffelbein / Campact / WWF
Aktion vor der Zentrale der Deutschen Bank © Kai Loeffelbein / Campact / WWF

Bereits im Mai 2014 wurde der WWF auch in Deutschland aktiv für den Schutz des Riffs: Die Deutsche Bank drohte in das lukrative Geschäft des Hafenausbaus einzusteigen. Sie war bereits in der ersten Finanzierungsphase zum Ausbau von Abbot Point zum weltgrößten Kohlehafen involviert. Gemeinsam mit dem Kampagnennetzwerk Campact sammelte der WWF in nur zehn Tagen mehr als 200.000 Stimmen, um die Deutsche Bank aufzuforden: Deutsche Bank: Nicht das Great Barrier Reef!

Mit Erfolg: Die Petition, Presse- und Lobby-Arbeit sowie eine medienwirksame Aktion bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank am 22. Mai 2014 lösten eine Reihe von aufeinanderfolgenden Reaktionen aus: Der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner sowie Co-CEO Jürgen Fitschen schlossen gegenüber den Aktionären eine Beteiligung der Deutschen Bank am Ausbau von Abbot Point aus. Nachdem die Deutsche Bank als eine der weltweit größten Banken eingelenkt hatte, distanzierten sich auch die internationalen Großbanken HSBC und Royal Bank of Scotland öffentlich vom Projekt – wie es bis heute auch die Bergbaukonzerne Rio Tinto und BHP, die Finanziers Lend Lease und Anglo American, die französische Crédit Agricole und der größte Anteilseigner der Deutschen Bank, der Investor Black Rock, getan haben. 

Die Absagen der Finanzakteure und das Einlenken der Politik in Queensland sind erste Erfolge für den Schutz des Great Barrier Reefs. Die durch die Industrialisierung entstehende Bedrohung für das Riff ist damit jedoch noch nicht gebannt. Der WWF wird weiter weltweit dafür kämpfen, dass das Weltnaturerbe geschützt bleibt! 

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